Sonntag, 26. Mai 2013

CD – Karlahan – A Portrait of Life

Aus Spanien kommt diese Band, auf die ich eher zufällig aufmerksam geworden bin, als ich auf Facebook mal wieder mehr Zeit verbrachte, als es vielleicht gut ist. Aber ansonsten hätte ich Karlahan und ihre bisherige einzige Veröffentlichung A Portrait of Life nie gefunden. Und das wäre schade, denn die Jungs aus Barcelona und Umgebung machen echt eine interessante Musik. Sie mischen Elemente von Rock, Metal, Klassik, (Melodic) Death Metal und Black Metal zusammen und verfeinern das ganze dann noch mit ein paar Spritzern Progressivität.

Und das tun sie auf eine Art und Weise, wie ich sie noch nicht gehört habe. Kraftvoll, originell, überraschend und mit einer Produktion, an der sich viele professionelle eine Scheibe abschneiden können. Und das ganze dann noch mit einer Frische, die man bei dem einen oder anderen der etablierten des Genres seit langem vermisst. Zwar ist die Musik noch nicht an allen Stellen perfekt, aber für eine EP ist es ein extrem ausgereiftes Werk und die Vielschichtigkeit ist wirklich faszinierend.

Es werden klassische Elemente mit Hardrock und Metal gemischt, aber plötzlich und unerwartet brechen Black- und Deathmetal Growls über das ganze hinein und geben ihm eine vollkommen andere Stimmung, ohne die Komplexität zu verlassen oder die Kraft in der Musik zu verlieren. Und obwohl es manchmal, auch nach mehrmaligem Hören, schwer fällt, genau zu definieren, was man da nun gerade hört, also ich meine, wo die Musiker ihre Ideen in diesem Zeitpunkt wieder her haben.

Aber natürlich ist das etwas, das diese Scheibe, so kurz sie auch sein mag, extrem interessant macht. Man findet immer wieder etwas neues, das man vorher nicht gehört, oder doch nicht wahrgenommen hat. Es bleibt, wenn man sich die Bandgeschichte anschaut, nur zu hoffen, das die Jungs eine Chance bekommen, bei einem größeren Label unter zu kommen, damit man ihre zukünftigen Entwicklungen vielleicht nicht auf dem Undergroundmarkt suchen muss.


FAZIT: Eine der besten Depütplatten, die ich je gehört habe. Auf jeden Fall hörenswert, denn die Vielfalt der Musik sollte jeden Metalfan ansprechen. Absolutes Highlight dieser durch und durch genialen Platte ist das Stück Twilight, das nicht alles, aber zumindest ziemlich vieles der Musikrichtungen hat, die Karlahan sich zu eigen machen.

Donnerstag, 23. Mai 2013

CD – DGM – Momentum

DGM – Ein Bandname, der aus der Anfangsbuchstaben der Namen der Gründer gebildet wurde, sind das Beste, was Italien in Sachen Progressive Metal zu bieten hat.

Aber alles der Reihe nach!

Als ich die Italiener das erste mal erleben durfte, bei einem Auftritt im Colos-Saal in Aschaffenburg, war mir klar, das ich nicht das letzte mal mit ihnen in Kontakt gekommen sein würde. Und so war es nur logisch, das ich das aktuellste Werk auch sofort besorgt hatte, sobald es verfügbar war.
Und die einzige Enttäuschung, wenn man es denn so nennen kann, war die Tatsache, das die Scheibe nicht noch besser geworden ist, als man es sich erwünscht hatte. Denn natürlich gibt es immer etwas, das man noch besser gefunden hätte, als es dann tatsächlich umgesetzt worden ist. Aber wenn man sich im Progressive Metal solche Vorbilder wie Dream Theater und Symphony X nimmt, muss man auch damit rechnen, mit ihnen verglichen zu werden.

Aber das gelingt den Musikern doch, sich diesem schweren Erbe zu stellen und die Musik dieser beiden absoluten Schwergewichte des Genres erfolgreich zu verbinden. Und so erstaunt es nicht, das kein geringerer als Russell Allen von den eben genannten Symphony X auch ein Gesangspartner der Jungs ist, wenn sie ihre Neunte Scheibe vorlegen.

Und da das Duett direkt die CD eröffnet, wird man auch sofort von der markanten Stimme des Hünen aus Kalifornien gefangen genommen und es wird gezeigt, wo es hin gehen soll. Mit einer fast schon genialen Mischung aus der Härte und Geschwindigkeit von Symphony X und der Verspieltheit von Dream Theater schaffen es die Jungs aus Italien immer wieder, jedes Stück zu einem Hinhörer zu machen.
Man kann sich zu Beginn sogar fragen, ob man dort nicht die neue Scheibe von Symphony X in den Händen hält, ein Umstand, der für mich keine Problem darstellt, sondern eher davon zeugt, wie reif die Italiener mittlerweile geworden sind. Denn es ist bestimmt nicht einfach, sich einen Platz zwischen so großen Namen zu suchen und auch zu finden, und im weiteren Verlauf der Platte merkt man zwar immer wieder Parallelen zwischen DGM und den Vorbildern, aber es bleibt immer genug Platz für die Musiker und ihre eigenen Ideen, um im weiteren Verlauf nicht als Kopie dazustehen, wie es leider all zu oft passiert, wenn sich Bands große Vorbilder nehmen.

Es handelt sich bei Momentum, so der Titel der Scheibe, um eine Platte, die von vorne bis hinten keine auch noch so kleine Schwäche zeigt. Jedes Stück hat seine Berechtigung, sein eigenes Leben und Klingen. Und auch, wenn die Band keines seiner Gründungsmitglieder mehr in seinen Reihen sieht, so haben die Besetzungswechsel offensichtlich dazu geführt, das das Bandgefüge stabil und die Qualität der Musiker und Musik besser wurde. Auf 20 Jahre und eben 9 Platten können wohl nur wenige Bands zurückschauen, was auf eine konstante Anhängerschaft schließen lässt.

Diese können die Italiener mit dieser Scheibe nun hoffentlich weiter ausbauen, so das wir auch in Zukunft von ihnen hören werden, oder sie, so hoffe ich mal, auch wieder mal Live in der Region zu sehen bekommen.


FAZIT: Eine Scheibe voller Highlights und ohne Schwächen. Keine Füller und keine Stücke, die man eben mal auf die Platte gepackt hat. Jeder Song ein Volltreffer, auch wenn das beste Stück, imho, bereits als erstes aus den Lautsprechern scholl. Mit Reason haben die Jungs ein echtes Kunstwerk geschaffen, das ihnen, zusammen mit dem Rest der Platte, einen festen Platz in der Best-of-2013 sichern dürfte. Selbst die großen Vorbilder werden Probleme haben, das noch zu übertreffen.h

Montag, 13. Mai 2013

CD - Volbeat - Outlaw Gentlemen & Shady Ladies

Sowohl der Titel, als auch das Cover der CD zeigen sofort, in welche Richtung es gehen soll auf der neuen Scheibe der dänischen Rock'n'Roll-Metaller. Während der Stil des Bildes, das die Hülle des neuen Machwerks ziert, ganz klar ansagt, das alles beim Alten bleiben wird, zeigt das Motiv doch einen deutlichen Hinweis in Richtung der klassischen Western der 60er und 70er Jahre.

Da mich die Gleichförmigkeit der Musik von Volbeat schon auf der letzten Platte etwas aufregte, war ich also gespannt, was man von dieser Kombination zu erwarten haben würde. Vor allem die geringen Variationen im Gesang des Band-Leaders fand ich, machten die Musik wenig interessant, auch wenn Gastsänger immer mal wieder für ein wenig Abwechslung sorgten.

Eine musikalische Konstanz ist zwar auf der einen Seite etwas feines, aber wenn fast auf jedem neuen Album auch ein neuer Gitarrist neben dem Bandgründer zu hören ist, zeigt das doch, imho, das es sich bei der Band um ein Ein-Mann-Projekt handelt, der sich gute aber nicht zu eigenständige Musiker sucht, um seine Ideen umzusetzen.
Eigentlich schade, aber auch auf dieser Scheibe ist mal wieder ein neuer Klampfer neben Poulsen zu hören, so das die Musik wohl keine großen Variationen erwarten lässt.

Und wenn man dann die neue CD Outlaw Gentlemen & Shady Ladies (wieder mal ein klassischer Doppeltitel, wie üblich bei Volbeat) in den Händen hält und sie zum ersten mal anhört weiß man auch das alle Vorurteile sich zu 100% erfüllen sollen. Es gibt zwar einige interessante musikalische Einstreuungen, die dem Genre des Western die Stange halten, aber damit hat es sich dann schon. Wieder einmal die geradezu klassische Rock'n'Roll Stimme des Frontmannes sehr markant für den Stil, was mir persönlich nach dem zweiten oder dritten Durchlauf aber tierisch auf den Geist geht.

Wären da nicht die neuen Elemente aus den klassischen Western-Filmen mit John Wayne oder Cary Grant, hätte die Scheibe bei mir wohl kaum den ersten Durchlauf überlebt. Aber selbst diese neuen Ideen gehen in der üblichen und mittlerweile, so finde ich, wenig originellen Mischung aus Rock'n'Roll und Metal unter. Als Lichtblick empfinde ich lediglich die beiden Songs, in denen Poulsen sich von Sängerkollegen unter die Arme greifen lässt.
Das er dafür niemand geringeren als King Diamond finden konnte und mit Sarah Blackwood eine echt telentierte amerikanische Sängerin, zeigt meiner Meinung nach nur, wie groß das öffentliche Interesse an dem Dänen und seiner Band ist.

So bildet dann auch der Song Lonesome Rider (mit eben jener Sarah Blackwood), meiner Meinung nach den Höhepunkt dieses durchschnittlichen Albums. Dieser Eindruck kann auch nicht durch die doch eher bedenklichen Zugaben der Special Edition verbessert werden, denn lediglich ein wirklich neuer Song wird hier präsentiert.
Ansonsten eine Harfenversion, 2 Live Aufnahmen und eine Demo bekommt der geneigte Hörer hier noch zu hören, die allesamt, mit Ausnahme vielleicht der Harp Version von Lola Montez keinen echten Mehrwert zu dem Album bringen.

FAZIT: Die Dänen besetzen mit Sicherheit eine Mische, die sie selber "erfunden" haben, aber sie machen das mit solcher Konstanz, die ich sonst nur von Motörhead kenne und entwickeln sich dabei, meiner Meinung nach, zu wenig weiter. Das das so gewollt ist, zeigt ja auch die Personalpolitik des Bandleaders der scheinbar keine anderen Größen neben sich in seiner Band sehen will.
Wie schon erwähnt ist das musikalische Highlight auf der Platte meiner Meinung nach der Song Lonesome Rider und die Tatsache, das die Produktion transparent ist aber trotzdem druckvoll bleibt, ein Umstand, der vielen Produktionen heutzutage nicht immer gelingt.

Donnerstag, 9. Mai 2013

CD - Milking the Goatmachine - Stallzeit

Blackmetal mit einer Portion Deathmetal und jeder Menge Spaß und (Eigen)Ironie. Das waren für mich bis dato du Jungs von Milking the Goatmachine. Aber im Rahmen der neuen CD wollte ich mich mal wieder etwas genauer mit dem beschäftigen, was man als Genres oder Musikrichtung bezeichnet. Und dabei bin ich darauf gestoßen, das es einige Leute gibt, die eben jene Band als Deathgrind Band bezeichnen.
Ich habe dann mal ein bisschen geforscht und versucht, heraus zu finden, was denn nun richtig ist, aber es gelang mir nicht, mich eines besseren zu belehren. Nichts, was den Deathgrind ausmacht, habe ich in der Musik gefunden, natürlich abgesehen von den Elementen des Deathmetal, die ich aber auch bei meiner Definition unterbringen kann.
Also überlasse ich es jedem selber, wo er die spaßigen Ziegenjungs unterbringt, denn immerhin sind sie die einzige Band, die ich kenne, die ihr eigenes Universum geschaffen hat, in dem sich alles um Ziegen dreht.

Das legt nicht nur der Bandname nahe, sondern auch die Namen der Musiker orientieren sich an dieser Vorgabe. Goatleeb und Goatfried Udder heißen die beiden Hauptakteure und Live legen sie noch eins drauf, indem sie und ihre Begleiter entsprechende Masken tragen, um ihre Huldigung der Ziegenherren perfekt zu machen.
Ich konnte sie bisher leider noch nicht auf der Bühne erleben, würde das aber gerne mal machen. Ist bestimmt lustig.

Auch bei dieser, der vierten Scheibe der deutschen Band, dreht sich wieder alles um die Weltherrschaft, die ihre Wappentiere übernehmen wollen und werden. Alleine der Titel Stallzeit macht klar, wohin es wieder geht und die Songtitel schlagen Großteils in dieselbe Kerbe.

Only Goat can Judge Me
Goatriders in the Sky
3 Room Shed
Salt Lick City
um nur ein paar zu nennen. Und bei den Titeln wird auch sofort klar, wie Ernst, oder besser gesagt, wie wenig Ernst sich die Musiker nehmen. Auch die Texte sind hörenswert, wenn man denn bereit ist, sich mit dem Growling auseinander zu setzen.

Interessant und, meiner unmaßgeblichen Meinung nach, vollkommen Deathgrind-untypisch, werden immer wieder lustige Samples in die Musik eingestreut. Ob  sie nun passen oder nicht, muss jeder für sich entscheiden, lustig ist es allemal.
Nachdem die ganze Platte schließlich nach 16 Liedern und wechselnden Geschwindigkeiten Richtung Ende geht, zieht das Tempo beim letzten Stück deutlich an und erreicht vielleicht Geschwindigkeiten, wie sie im Crustcore üblich gewesen wären. Aber da es sich um ein weiteres Cover des Motörhead Klassikers Ace of Spades handelt, denke ich nicht das man das als Zeichen in diese Richtung sehen sollte.

Manchmal frage ich  mich, warum so originelle Bands wie Milking the Goatmashine überhaupt covern müssen, aber diese Version macht richtig Spaß, weil sie auf der einen Seite den Charakter des Originals beibehält, auf der anderen Seite genug Eigenständigkeit aufweist, um nicht als plumpes Nachspielen abgetan zu werden.

FAZIT: Eine Scheibe die jede Menge Spaß bei den Live Auftritten verspricht und mit dem deutschsprachigen Stallzeit auch einen geilen Mitgröler an Bord hat. Trotzdem ist noch genug Potential in der Scheibe, sie sich immer und immer wieder anzuhören. Natürlich auch hier wieder nur, wenn man auf solche Musik steht,  oder bereit ist, sich auf die speziellen Elemente einzulassen.