Dienstag, 30. April 2013

CD - Device - Device

Ich war nicht sicher, was ich von diesem Projekt erwarten sollte. Disturbed war nie eine Band, die ich unbedingt gebraucht hätte, machten die doch Musik, die einfach nur als austauschbar bezeichnet werden kann. Belanglos, nicht innovativ und der Versuch, möglichst viele Leute mit möglichst einfacher und seichter  Musik auf die eigene Seite zu bringen.

Das hat ja auch ganz gut funktioniert, wobei man sich dann natürlich fragt, warum man eine solche Band einfach so auf Eis legt, aber das ist ein anderes Thema.
Als dann also der Frontmann dieser Band zusammen mit noch einigen nicht ganz unbekannten Namen ein neues Projekt auflegte, war zumindest mein Interesse erst einmal geweckt. Die ersten Stücke, die dann von der neuen Band erschienen klangen nicht mal uninteressant, aber als ich jetzt die CD in den Händen hielt, und die ersten Durchläufe hinter mir hatte, fragte ich mich ernsthaft, ob ich vielleicht eine Demo in Händen halten würde.

Die Stücke klingen, mit wenigen Ausnahmen, als wenn sie noch in der Frühphase ihrer Entwicklung wären, haben einige gute Ansätze aber in der Ausführung sind sie echt unter alles Sau. Außerdem klingt die Produktion, als hätte man sich mit einem Recorder in den Probenraum gesetzt und mal auf Aufnahme gedrückt. Das ganze in bisschen nach bearbeitet und mal auf eine CD gebrannt.

Einfach nur peinlich, finde ich diese CD, und das sich noch einige namhafte Künstler dazu haben breitschlagen lassen, daran mitzuwirken zeigt meiner Meinung nach nur, das genug Geld für dieses Machwerk zur Verfügung stand. Denn es bleibt zu hoffen, das es nicht die künstlerische Qualität gewesen sein sollte, die Leute wie Lizzy Hale (Halestorm), Geezer Butler (Black Sabbath), Serj Tankian (System of a Down) oder Tom Morello (Rage Against the Machine) dazu gebracht hat, sich von David Draiman überreden zu lassen, an dieser Platte mitzuwirken.

FAZIT: Wenn das der angekündigte "futuristische Metal" ist, will ich den gar nicht mehr hören. Vielleicht ist die Band auch einfach nur ihrer Zeit voraus und ich bin nicht in der Lage, die Musik zu verstehen. Aber ich hoffe mal, das es sich nur um ein misslungenes Projekt handelt, und sich diese Art von Musik nicht als industrialized Metal durchsetzt.
Aber das werden wohl die Käufer, Hörer und Konzertbesucher entscheiden!

Ich kann nur sagen: Finger weg!!!

Donnerstag, 25. April 2013

CD – Amorphis – Circle

Nach zwei doch sehr unterschiedlichen Alben zuletzt, stellte sich die Frage, wohin es die Band Amorphis diesmal verschlagen würde auf ihrem Weg durch die vielen Genres des Metals, die sie schon beackert haben. Und die erste Single deutete schon an, wo es diesmal hingehen könnte, aber bei 10 Stücken auf der Scheibe (ich nehme jetzt mal die Special Edition als Basis) konnte das natürlich noch keine umfassende Analyse zulassen.

Der Titel der Scheibe (Circle) könnte natürlich den Hinweis geben, das ein Kreis geschlossen wird. Aber ob und wenn ja was sich die Mannen um die beiden Axtkämpfer und Amorphis-urgesteine, Esa Holopainen und Tomi Koivusaari, dabei nun gedacht haben, kann man im Vofeld natürlich ein wenig schwer sagen. Auf jeden Fall ist es ihnen mal wieder gelungen, ein interessantes und ansprechendes Cover designen zu lassen, auf dem das titelgebende Element zumindest mehrfach zu erkennen ist.

Aber zurück zur Musik. Ich muss sagen, das mir persönlich die erste Veröffentlichung aus der elften Platte der Finnen schon ganz gut zusagte, aber ich hatte mir wieder mal etwas mehr Härte erhofft. Und wenn man dann die ganze Scheibe in Händen hat und hören kann, dann sucht man erst mal eine roten Faden, wie ihn eben die beiden letzten Scheiben hatten, und findet ihn nicht. Nach ein paar Durchläufen allerdings wird einem dann klar, das der Fünfer mal wieder seine ganze Bandbreite an musikalischen Fähigkeiten und Möglichkeiten ausschöpft, ohne dabei die jeweils anderen Aspekte aus den Augen zu verlieren.

Harte, fette Riffs schmiegen sich in sanft fließende Melodien ein und verspielte, folkloristisch angehauchte Melodien werden abgelöst von immer wieder gezielt und gut eingesetzten Growls eines sehr gut aufgelegten Tomi Joutsen. Ich persönlich hätte mir ein paar mehr dieser kraftvollen Elemente gewünscht, aber immerhin sind sie fester Bestandteil und der Sänger hat so die Chance, seine anderen Qualitäten auch noch zu zeigen, was mit Sicherheit auch live wieder gut aufgenommen wird.

Besonders fasziniert mich die Präsenz und das wieder einmal hervorragende Zusammenspiel der beiden Gitarren. Und dieses Zusammenspiel findet halt, je nach Bedarf und Lied, eben auch gegeneinander statt und dann wird es richtig interessant, wenn auch teilweise so verzwickt, das man einige Durchläufe braucht um wirklich zu verstehen, was da eigentlich passiert. Aber natürlich macht das auch diese Scheibe mal wieder zu einem echten Hinhörer, das man eben auch nach mehrmaligem hören noch etwas neues zu entdecken hat.

Und obwohl ich mir selber mehr Härte gewünscht hätte, bin ich doch froh, das Amorphis mal wieder eine Scheibe hingelegt haben, die eben nicht nur einen Teil ihrer Fähigkeiten zeigt, sondern eben auch zeigt, das in dieser Band alle Mitglieder ihre Ideen und Vorlieben einbringen können. Und auch wenn nicht jedes Stück meinen Vorlieben entsprechen, glaube ich, das es den Finnen mal wieder gelungen ist, eines der besten Alben diesen Jahres zu produzieren.

Apropos Produktion. Die ist mal wieder absolut vorbildlich gelungen. Jeder Hörer ist in der Lage, die Musik in der Lautstärke zu hören, in der er das will, ohne das sie dünn oder fahrig klingt. Außerdem hat man eine Transparenz erreicht, die man bei der Instrumentierung nicht unbedingt erwarten würde.

FAZIT: Mal wieder, was man erhofft hat, eine starke Platte, wobei die persönliche Wertung mit Sicherheit davon abhängen dürfte, ob man bereit ist, die Bandbreite der Band mitzumachen oder eben doch lieber auf den einen oder anderen Stil mehr Wert gelegt hätte.
Ach ja, mein persönlicher Anspieltipp: Nightbirds Song, der hat einfach alles!

Samstag, 20. April 2013

Konzert - Stratovarius, Amaranthe, Seven Kingdoms - Colos-Saal Aschaffenburg - 12.4.2013

Da mir die neuen Scheiben von Stratovarius und Amaranthe gut gefallen haben, entschied ich mich, mich mal wieder auf den Weg nach Aschaffenburg zu machen, um mir diese beiden Bands mitsamt ihrer Begleitung anzusehen und zu hören. Wobei ich zugeben muss, das Amaranthe der Hauptgrund war, mir diesen Freitag mal wieder im frisch gekürten "besten Live Club 2012" um die Ohren zu schlagen.

Und der Anfang war schon mal vielversprechend, als gegen 20:30 Uhr eine Band die Bühne betrat, von der ich bis dato noch nichts gehört hatte. Seven Kingdom aus den USA sollten also die Einheizer für die beiden Skandinavier machen. Und sie legten sofort volles Rohr los. Mit ihrer sehr kraftvollen Stimme nimmt die Sängerin auch sofort das Publikum in ihren Bann. Nun ja, ihr Aussehen wird mit Sicherheit auch seinen Teil dazu beigetragen haben, das das Publikum ab dem ersten Song fröhlich mitmacht, wie man es nicht oft von Vorbands erlebt.

Offensichtlich waren die Musiker aus Florida nicht allen vollkommen fremd, wie mir, so das schnell ein gutes Miteinander entstand. Die Mischung aus Power-, Thrash- und Progressive Metal zwingt aber auch jeden Fan solcher Musik zum mitmachen, so das selbst in den hinteren Reihen schon gute Stimmung herrscht, die die Band auch gut aufzunehmen und weiter zu entwickeln weiß. Man merkt, das die Mitglieder schon seit einiger Zeit Livererfahrungen sammeln können, die sie hier an den Mann und die Frau bringen.

Das übliche Los einer Vorband ereilt aber auch die Amerikaner, als sie nach gerade mal einer halben Stunde wieder die Bühne räumen müssen, ohne den vereinzelten Forderungen nach einer Zugabe nachkommen zu können. Schade, aber so ist das nun mal. vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit die Band mal wieder in der Nähe zu sehen, und dann vielleicht auch länger.

Nach einer ungewöhnlich langen Umbaupause, betritt dann schließlich der erste Headliner des Abends die Bühne. Amaranthe haben zwar noch keine allzu lange Diskografie, aber die ist dafür umso beeindruckender und man ist gespannt, was sie an diesem Abend aus ihrem variablem Repertoire zum Besten geben werden.
Direkt zu Beginn wird dann mal gleich ein Stück der frischen CD The Nexus aufgespielt und man  merkt, das das Publikum schon recht Textsicher bei den neuen Stücken ist, keine Wunder, handelt es sich bei der Scheibe, meiner unmaßgeblichen Meinung nach, um einen der frühen Höhepunkte dieses Musikjahres.

Besonders faszinierend ist bei dieser Band natürlich der variable Gesang, der von nicht weniger als drei regulären Sängern realisiert wird, ein Umstand, den man verstehen kann, wenn man die Musik der Schweden und Dänen kennt. Und nicht nur, das die drei Fronter und ihre restlichen Bandmitglieder einen perfekten Sound auf die Bühne zaubern, sondern auch die Show ist eine gute Balance zwischen einstudierten Bewegungen und spontanen Reaktionen auf das Publikum.

Das wirkt alles schon sehr professionell, womit man auch schon einen ersten Kritikpunkt am Auftritt findet, wenn einem das nicht so gut gefällt, wie zufällig wirkende Interaktionen von echten Urgesteinen. Was mich persönlich aber vielmehr stört ist der enorme Aufwand der betrieben werden muss, um den auf der Bühne fehlenden Keyboarder zu ersetzen. Denn durch die extrem vielen Einspieler ist die Flexibilität der Band natürlich sehr eingeschränkt, was den Eindruck des "Eingeübten" noch verstärkt.

Aber auf jeden Fall machen Amaranthe da weiter, wo Seven Kingdoms aufgehört haben, nämlich beim Abreißen von Bühne und Zuschauerraum in Aschaffenburg. Durch die erst zwei CDs, die den Newcomern zur Verfügung stehen, auf denen allerdings auch kein einziger schwacher Song ist, halten sie die Stimmung so hoch, wie ich es selten erlebt habe.
Aber der größte Schwachpunkt eines jeden genialen Live Auftritts, ereilt auch diesen: Das ENDE. Und das, bevor das ganze Programm der Band vom Stapelgelassen werden konnte. Aber immerhin gibt es noch eine originelle und schöne Zugabe, die noch einmal alles aus band und Publikum heraus holt. RESPEKT!!!

Ich kann es nicht numerisch belegen, aber es schien mir, das in der folgenden Pause, die für Umbau und Soundcheck für Stratovarius genutzt wurde, eine nicht  unerhebliche Menge an Zuschauern den Colos-Saal verlassen hatten. Wie gesagt, ich kann mich täuschen, weil auch ich meinen Standort geändert hatte, aber es schienen sich die Reihen doch ein wenig gelichtet zu haben, als die Finnen von Stratovarius die Bühne betraten.

Das tat allerdings, muss man fairerweise sagen, der Stimmung keinen Abbruch und die Urgesteine des europäischen PowerMetal brannten ein wahres Feuerwerk ihres großen Repertoires ab. Professionell und doch auf das Publikum eingehend, führte Sänger und Frontmann Timo durch das Programm, das durch drei Jahrzehnte Band- und Musikgeschichte führt. Natürlich steht das neue Album im Mittelpunkt, was ich persönlich etwas schade finde, da ich denke, wie ich ja auch schon im entsprechenden Review geschrieben habe, das es sich um eine der schwächeren Scheibe der Finnen handelt.

Trotzdem sind natürlich auch diese neue Stücke Live eine ganz andere Nummer und die Stimmung im Saal steigt von Song zu Song, allerdings merkt man auch hier, das die Lautstärke von Band zu Band zunimmt, was aber auf dem Niveau dieser Bands und dank der doch etwas regelnden Hand des Tontechnikers, noch im Rahmen bleibt.
Im Ganzen also ein durchaus gelungener Auftritt, wenn man aber natürlich wie immer nicht alles die Stücke gespielt bekommt, die man sich vorstellt, was aber ob der dicken Diskografie wohl auch unmöglich sein dürfte.

FAZIT: Mal wieder ein geiler Abend im Colos-Saal, der für regelmäßige Besucher schon immer der beste Club der Welt ist. Eine perfekte Zusammenstellung der Bands und eine wieder mal super Stimmung auf und vor der Bühne haben diesen Tag und die Woche zu einem perfekten Abschluss gebracht.

Donnerstag, 18. April 2013

Konzert - Ray Wilson "Best of two Worlds" - Colos-Saal, Aschaffenburg - 6.4.2013

Ray Wilson, bekannt geworden, durch sein Engagement bei Genesis, macht schon viel länger Musik, und deswegen nimmt er die Zuhörer auf eine Zeitreise mit. Eine Zeitreise durch die Musik von Genesis, seiner eigenen Band Stiltskin und natürlich nicht zuletzt seiner Soloplatten. Wenn ich richtig gerechnet habe, 30 Jahre Musikerfahrung.

Respekt, kann man da nur sagen. Den allerdings habe ich nicht vor dem Publikum dieses Abends. Ich würde sagen, das Durchschnittsalter liegt höher als bei jedem Konzert, das ich je im Colos-Saal gehört habe. Aber meine Annahme, das dies zu einem "vernünftigen" Publikum führt, werden schnell enttäuscht, als drei Musiker (Gitarrist, Bassist und Schlagzeuger) gegen 20:30 Uhr die Bühne betreten und mit einer Mischung aus PostRock, Ambient und Grunge wohl ein eigenes Projekt vorstellen. (Mittlerweile weiß ich, das es sich bei der Gruppe um Ali Ferguson und seine Mannen handelt)

Diese Musik, die mit Sicherheit nicht jedermanns Sache ist, und bei der man auch tatsächlich zuhören muss, um sie zu erfassen, geht fast unter in dem partout nicht leider werden wollenden Gemurmel einer gut 3/4gefüllten Saales. Schade, denn dadurch geht natürlich der Reit dieser Musik auch denen verloren, die sie gerne in Ruhe gehört hätten. Aber scheinbar sind die Erlebnisse der letzten Wochen und Monaten wichtiger als die Musik auf einem "Konzert".

Nun ja, dachte ich mir, wieder mal etwas neues interessantes gehört, das man sich genauer anschauen kann. Und die Hoffnung ging nun dahin, das bei Ray Wilson und seiner Band wenigstens dieser Krach etwas weniger werden würde. Leider wurde diese Hoffnung aber auch vollkommen enttäuscht und zwar nicht nur zu Beginn, sondern durchgehend bis zum Ende.
So etwas habe ich wirklich noch nicht erlebt, und auch eine Bewegung zur Bühne verbesserte an dieser Situation übrigens nichts, überall waren Winterurlaube, Skatbende und Taufen wichtiger als die Musik.

Trotzdem fand ich das Programm, das Ray und seine 8-köpfige Band von der Bühne ließen mehr als ansprechend, zeigte er doch, das er eben nicht nur ein würdiger Nachfolger von Phil Collins bei Genesis war, sondern eben auch den Mut hatte, sich an Stücken zu versuchen, die Peter Gabriel im Original gesungen hatte. Und so wundert es nicht, das auch Solsbury Hill mit von der Party war und meiner Meinung nach den Höhepunkt des Abends bildete.

Aber eben auch die Grunge Stücke seiner Band Stiltskin brachte er so herüber, wie es ein Axel Rose nicht besser gekonnt hätte. Und dann waren da natürlich noch die bluesigen Stücke seiner Solo Platten. In allen Stücken fühlte sich der sympathische Brite zu Hause und konnte sie, auch dank seiner hervorragenden Begleitung, authentisch und kraftvoll herüber bringen.
Als originell kann man auch diese Begleitung bezeichnen. Alles überragende Musiker, und eben nicht nur 2 Gitarren, Bass, Keyboard und Schlagzeug, nein, zwei Violinistinnen und ein Saxophon/Klarinetten Spieler ergänzen die Gruppe und geben ganz neue Möglichkeiten. Und das gibt der Musik, ob nun bekannter Evergreen oder unbeaknntes Neuwerk, plötzlich ganz neue Facetten.
Das es sich bei den Stücken zum Großteil um für mich  neue handelte machte es mir aber in keiner Weise schwer, denn die Musik ist eingängig und nicht zu verschnörkelt, ohne dabei langweilig zu wirken.

Ach ja, eine Besonderheit noch zum Thema Sound. Zum bisher erst zweiten Mal habe ich Trennwände auf einer Livebühne gesehen, um das Schlagzeug akustisch von Raum und dem Rest der Musiker zu entkoppeln und zum zweiten mal muss ich sagen: Der Aufwand, der wohl auch gar nicht so hoch ist, lohnt sich wirklich, denn so klar und brillant habe ich seit Alter Bridge in der Batschkapp, kein Schlagzeug mehr gehört.

FAZIT: Alles in allem ein gelungener Abend und auf jeden Fall den Eintritt wert. Schade war eigentlich nur, das natürlich viele gute Stücke von Genesis auf der Strecke bleiben mussten, immerhin war ja hier Ray Wilson unterwegs, der aus seiner musikalischen Geschichte erzählen wollte und das fabulös tat.
Ach ja, und dann natürlich dieses unleidige Thema Unterhaltung vs. Musik, aber in dieser Beziehung scheine ich der Exot zu sein, wenn man sich das Publikum mal angehört hat.

Mittwoch, 17. April 2013

Konzert – Troy von Balthazar, The Loodies – Campus Uni Frankfurt – 13.4.2013

Das Cafe der katholischen und evangelischen Studentengemeinschaft an der Uni Frankfurt war der Schauplatz dieses etwas ungewöhnlichen Bedroomdisco-Konzerts. Aber wenn man nicht so von der Norm abgewichen wäre, wäre ich wohl nicht in den Genuss dieses Abends gekommen. Denn die knapp 100 Leute, die sich in dem Raum zwischen zwei Wohnheimen Platz gefunden haben, hätten wohl kaum in ein klassisches Wohnzimmer gepasst.

Entsprechend den Organisatoren und meisten Zuschauern, kam ich mir etwas deplatziert vor, aber auch ein wenig an meine Studienzeit zurück erinnert. Eine lustige Sache, die einige (schöne und weniger schöne) Erinnerung wach rief.

Pünktlichkeit zahlte sich bei diesem Konzert wirklich aus, da die später erschienen teilweise auf dem Boden Platz nehmen mussten, was ich nicht so furchtbar gut gefunden hätte. Und trotz des Publikums und der Location ging es pünktlich los, so das keine lange Wartezeit entstand.

Als erste betrat Troy von Balthazar die Bühne. Naja, genau genommen ging er in den Teil des Raumes, der dafür hergerichtet worden war. Man hatte sich alle Mühe gegeben, zumindest dort vorne so etwas die heimelige Atmosphäre zu schaffen, was, so finde ich, auch ganz gut gelungen war. Der Teil, in die Zuschauer saßen war zwar zweckmäßig, aber effektiv mit Stühlen besetzt worden, was wohl die große Zahl an Zuschauern förderte.
Troy sorgte allerdings von Anfang an dafür, das man vergas, wo man saß und führte gekonnt und lustig durch sein Programm.

Der Musikstil ist natürlich eindeutig Singer-Songwriter, begleitet sich der Amerikaner doch meistens auf der Gitarre selber. Allerdings belässt er es nicht dabei, sondern er setzt gekonnt und unaffektiert die Technik ein, indem er sich selber aufnimmt und loopt. Und das sogar mehrfach, was, obwohl nur ein Mann auf der Bühne steht, sehr interessante Liederstrukturen ermöglicht. Aber auch damit gibt sich der Hawaiianer noch nicht zufrieden, sondern er setzt ein Megaphon, eine große Rassel, ein elektrisches Kinderpiano und ein Keyboard ein. Letzteres benutzt er sogar, um sich eine Rhythmusgruppe zu ersetzen und gekonnt seine Stücke darüber zu spielen.

Als der Künstler, und um einen solchen handelt es sich bei Troy definitiv, nach einer knappen Stunde von der Bühne machen will, wird er vom Publikum erfolgreich wieder auf dieselbe geholt und zu einer Zugabe „genötigt“. Es macht ihm sichtlich Spaß, und er scheint gerührt, als auch die Zugabe dem Publikum noch nicht reicht, aber er muss das Feld räumen, immerhin soll noch eine zweite Band den Abend komplettieren.
Die Umbauphase nutzen die Zuhörer, um sich ein wenig die Beine zu vertreten und das bisher Gehörte zu verarbeiten und sich darüber auszutauschen. Die Organisatoren sorgen dafür, das auch die besagte zweite Band ein volles Auditorium vorfindet und keine größere Unruhe durch zu spä kommende Zuhörer entsteht. Sehr lobenswert und effektiv, vor allem für so seltsame Vögel wie mich, die auf Konzerte gehen, um die Musik zu hören und zu genießen.

The Loodies nennt die die Gruppe, die jetzt die eben schon beschriebene „Bühne“ betritt. Die 5 Musiker stammen aus Kanada und scheinen mir noch sehr jung zu sein. Ich bin ein wenig skeptisch, aber es zeigt sich, das es dafür keinen Grund gibt. Die 4 Jungs (Drums, Bass, Gitarre und Gesang und Gitarre) und ihre Keyboarderin machen aber von Anfang an klar, das man sich von ihrem Äußeren nicht täuschen lassen sollte. Ich habe gelesen, die Kanadier würden Indierock machen, was ja nun sehr viele Möglichkeiten bietet, aber was man dann zu hören bekommt ist schon sehr interessant und klingt sehr erwachsen.

Im Rock werden natürlich Anleihen gemacht, aber auch Ambient Elemente sind Teil der Musik, sowie Postrock Charakteristika. Und als der zweite Gitarrist dann auch noch eine Trompete zur Hand nimmt, ist man sogar genötigt, Experimental noch zu den genutzten Musikrichtungen hinzuzufügen. Wobei man das gerne tut, denn die Band vermischt diese Dinge mit einer Frische, Leichtigkeit und Originalität, das man noch weniger glauben kann, wen man vor sich hat.

Natürlich kommen auch The Loodies nicht um eine Zugabe herum, beenden den Abend dann aber recht zeitig, um den Anwesenden Zuhörern noch die Möglichkeit zu geben, unverspätet in das Nachtleben der Stadt einzutauchen.

Zügig leert sich der Raum und die Rückbauarbeiten beginnen. Wie üblich besteht natürlich bei einem so intimen Gig die Chance, die Künstler noch persönlich zu sprechen und ihre Werke nicht nur von ihnen persönlich zu erwerben, sondern sie eben auch noch signieren zu lassen. Ein Umstand, von dem doch einige Leute Gebrauch machen, so das die Begeisterung während des Konzerts sich auch hier weiter auf die Künstler überträgt, die gerne und viel Auskunft geben.

FAZIT: Ein echtes Erlebnis! Sowohl was die Idee der Bedroomdisco Konzert Reihe angeht (auch wenn es heute ein eher großer Bedroom war J ) als auch, was die Künstler angeht. Es ist nur Schade, das man, aufgrund des Ansturms auf diese Konzertreihe immer so lange dauert, bis man eine solche Chance geboten bekommt.
Naben den Künstlern, die ich ja oben schon reichlich gelobt habe, denke ich auch, das man sich bei den Organisatoren bedanken sollte, das sie es wohl immer wieder schaffen, interessante Künstler in doch eher kleine Locations zu holen. Bleibt zu hoffen, das dies noch lange so weiter geht und nicht von Organisationen wie der GEMA im Bürokratiesumpf ertränkt wird, und das ich die Chance erhalte, eine solche Veranstaltung mal am eigentlich gedachten Ort zu erleben.

Dienstag, 16. April 2013

Konzert - Helloween, Gamma Ray, Shadowside - 10.4.2013 - Stadthale Langen


Das wird wohl mein kürzester Review bisher.
Geiles LineUp, Super Location, tolles Publikum, ABER ein Sound der schlechter wohl kaum vorstellbar gewesen wäre.

Shadowside, klassischer amerikanischer Power Metall mit weiblichem Gesang. Gitarre und Gesang sehr durchwachsen, teils sehr gut und originell, teils einfach nur flach. Gute Rhythmus Sektion, die aber leider nicht die Lead-Instrumente ersetzen kann. Höhepunkt: Ein Cover von Ace of Spades.

Gamma Ray waren für mich der Höhepunkt des Abends. Super Stimmung auf und vor der Bühne, Sound laut, aber mit Ohrstöpseln gerade noch zu ertragen. Versierte Musiker, die Spaß haben und zeigen an dem, was sie machen. Höhepunkt auch hier ein Cover und zwar Future World von Helloween.
Aber immerhin beweisen die Mannen um Kai Hansen, warum die Musik die sie machen, ursprünglich mal als Speed-Metal bezeichnet wurde.

Und damit war dann auch schon der beste Helloween Song des Abends gespielt, denn beim Headliner kommt alles etwas pomadig und arrogant rüber, mal abgesehen davon das mir selbst jetzt (20 Stunden nach dem Konzert) noch die Ohren klingeln, trotz Ohrenstöpseln.
Die Songs der Pioniere des deutschen Speed und Power Metal versinken in Mittelmäßigkeit. Interessant und wirklich stimmungsvoll wird es erst wieder, als Ex-Helloween Mitglied Hansen wieder die Bühne betritt und sämtliche Klassiker gespielt werden. Als schließlich (abgesehen vom Schlagzeuger) beide Bands auf der Bühne stehen, findet der Abend doch noch ein versöhnliches Ende.

Aber ehrlich gesagt erwarte ich mir von Helloween und Gamma Ray mehr als einen versöhnlichen Abend. Schade, auch wenn ich nicht weiß, wer den Sound so kaputt gemischt hat.

FAZIT: Ein neuer, negativer Höhepunkt auf der Lautstärkespirale, die ich seit einigen Monaten schon beobachte. Und wenn die Höhepunkte des Abends zwei Cover Stücke sind, sagt das wohl schon recht viel über die Qualität.

Donnerstag, 4. April 2013

CD - Bring me the Horizon - Sempiternal


Ist Veränderung nun eigentlich etwas Gutes oder etwas Schlechtes?
Diese Frage habe ich mir gestellt, als ich die neue CD von Bring me the Horizon zum ersten mal gehört habe. Denn leider bin auch ich da etwas indifferent und erwarte bei einigen Gruppen einfach dieses Element, während ich es bei anderen partout nicht ausstehen kann.
Aber auch Stagnation, oder Bewahren des Althergebrachten ist nicht einfach nur Gut oder Schlecht. Je nach Band sind die Erwartungen etwas anders. Und natürlich sollte eine Band wie Threshold sich  nicht auf Wiederholungen versteifen, sondern als progressive Gruppe immer wieder neues entwickeln und entdecken.
Und das sich jede Scheibe von Motörhead seit 30 Jahren genau gleich anhört stört mich ziemlich, denn dann kann man ja auch gleich die alten Scheiben auflegen, die haben wenigstens noch Charakter. Aber von Musikern wie den Jungs von Bullet for my Valentine erhoffe ich mir wiederum, das sie nichts ändern, sondern sich treu bleiben.

Also ist die Frage, ob Veränderung Gut oder Böse ist, in der Musik nicht nur eine Frage des Hörers und dessen Geschmack, sondern eben auch eine Frage, wen und was man nun genau hört.

Bleibt die Frage, was man von Bring me the Horizon so erwartet und der Musik, die sie machen. Grundsätzlich hätte  ich erwartet, keine großartigen Neuerungen  zu hören, sondern angenommen, das man seine alten Erfolgsrezepte weiter fährt.
Aber weit gefehlt. Die Jungs um Oli Sykes haben sich schon vom Death- zum Metal-Core entwickelt, als sie ihre zweite und dritte Scheibe auf den Markt schmissen und haben sich auch diesmal nicht lumpen lassen, an ihrem eigenen Stil weiter zu arbeiten.

Natürlich sind die Grundstrukturen weiterhin im Metal-Core zu suchen und zu finden, aber Sempiternal ist damit bei weitem noch nicht am Ende. Konsequenter, als noch im Vorgängeralbum werden elektronische Einflüsse integriert. Sicher nicht so stark und vielfältig, wie zum Beispiel bei Eskimo Callboy, aber doch deutlich hör- und spürbar.
Aber auch im Symphonic Metal haben sich die Engländer bedient, wenn es um die Anreicherung ihrer Musik geht und das finde ich, ist ein bemerkenswerter Schritt.
Der Sänger kann so auch immer mal wieder beweisen, das er eben nicht nur das übliche Schreien, Röhren und Grunzen des Metal-Core beherrscht, sondern auch in der Lage ist, sich im Klargesang zurecht zu finden und das, so finde ich, als Laie, wirklich achtbar.

Aber selbst damit ist die CD und die Musik noch nicht am Ende. Post-Hardcore, Ambient und Rock sind weitere Einflüsse, die sich an der einen oder anderen Stelle in die Stücke schleichen und teilweise, und das finde ich so interessant an diesem Album, erst  nach  mehrmaligem Hören auffallen. Das wiederum ist ein Prädikat, das man Musik dieser Musikrichtung nun wirklich nicht zutrauen würde.

Aufgrund der Vielfalt der Einflüsse, die mit Sicherheit auf Vorlieben der einzelnen Mitglieder zurück zu führen ist, denke ich, man kann der Band nicht vorwerfen, das sie zum in eine kommerzielle Richtung entwickelt hat, denn ihre eigentlich Zielgruppe wird diese Nuancen nicht wahrnehme, oder sie mit Befremden zur Kenntnis nehmen.

Bei all den musikalischen Entwicklungen auf dieser Platte hat es der Band mit Sicherheit auch geholfen, das sie nun einen eigenen Keyboarder  mit an Bord haben.
Das wirft aber natürlich  auch die Frage auf wie es denn nun mit Bring me the Horizon weitergehen wird, zumal der Weggang von Gitarrist Jona Weinhofen wohl den eingeschlagenen Weg zu zementieren scheint. Ein Keyboard gibt hier einfach  viel bessere Möglichkeiten, sich zu entwickeln.

Ich persönlich finde es schön, das es auch in Bereichen, die nicht für große Innovationen bekannt sind, immer wieder Gruppen und Musiker gibt, die bereit sind, die Grenzen zu erweitern. Das man sich damit nicht nur Freunde macht ist klar, immerhin ist Bring me the Horizon keine reine Metal-Core Kapelle mehr, aber ich hoffe, sie haben weiterhin Erfolg und zeigen uns dann, wie es weiter gehen soll.

FAZIT: Für Musikhörer mit einem offenen Geist ist die Scheibe ein absolutes Muss, auch wenn man natürlich bedenken muss, das auch diese Scheibe im Metal-Core zu stehen hat.
Anspieltip: Can you feel my Heart?  und Seen it all before

Mittwoch, 3. April 2013

CD - Avantasia - The Mystery of Time


Eine Liste, die sich wie ein Who-is-Who des deutschen und europäischen Metal liest, das ist schon seit Jahren Standard bei Tobias Sammet und zwar egal, ob er Sole Scheiben veröffentlicht, oder auf Tour geht, oder aber ob er sein Musical Projekt Avantasia ins Rennen schickt.
Es ist immer ein Erlebnis, sich die neuen Scheiben anzuhören, auch wenn das volle Potential seiner Musik mit Sicherheit erst auf einer möglichst großen  Bühne zum tragen kommt, wie ich bisher allerdings erst von entsprechenden DVDs erleben konnte. Allerdings überlege ich mir immer wieder, ob das nicht sogar besser ist, als Live dabei zu  sein und nur einen Blickwinkel zu sehen. Natürlich fehlt dann die Stimmung, aber die Vielfalt der Kameraperspektiven ist mit Sicherheit nicht zu unterschätzen.

Wie dem auch sein, jetzt ist also die neue Scheibe von Avantasia draußen und wieder ist die Liste der Gastmusiker beeindruckend:
- Ferdy Doernberg von Axel Rudy Pell
- Ronnie Atkins von Bring me the Horizon
- Michael Kiske
- Arjen Anthony Lucassen
... um nur einige zu nennen.
Und wieder ist es eine perfekt inszenierte Veröffentlichung, die Herr Sammet da zelebriert, und so habe ich  mir das Machwerk auch sofort bestellt und bekommen.

Allerdings, das muss ich sofort sagen, erfüllt es nicht die Erwartungen, die ich an so eine CD hatte. Natürlich ballert sofort wieder feinster Power-Metal aus den Kopfhörern, nachdem die Scheibe im Player rotiert. Allerdings springt nicht sofort der Funke über, wie ich es mir erhofft hätte, aber auch das wäre ja nicht das erste mal, das eine neue Platte etwas Zeit braucht sich zu entwickeln. Aber was ich da alles höre, reicht von Anleihen an Schlager, Pop und Rock. Natürlich kommen auch Metalelemente nicht zu kurz, aber alles in allem ist mir  die Mischung nach dem ersten Durchlauf eine wenig zu seicht.

Aber auch das soll noch kein Kriterium sein, also wird die CD auf Autorotation gestellt und dann geht es los, die, jetzt nicht mehr ganz neue, Musik wieder und wieder wirken zu lassen, Dabei fällt mir auf, das die Produktion ganz schön dicht und kompakt ist, aber nicht überproduziert zu sein scheint. Selbst leise kann man die Musik genießen. Was mir aber nun auch auffällt, ist, das mir ein bisschen zu wenig Bass in der Mischung zu finden ist.
Natürlich nicht durchgehend, aber in einigen Passagen scheint es fast, als hätte da wer einen Filter zu hoch eingestellt oder vergessen, die Bassspur hinzu zu mischen. Schade, denn ohne dieses Fundament scheinen einige der Songs etwas zu dünn.

Und auch finde ich, das jeder Durchlauf der CD die Belanglosigkeit der Musik mehr und mehr offenbart. Also  nicht, das die Musik schlecht ist, aber zumindest meine Erwartungen kann das Werk nicht erfüllen. Keine Überraschungen reißen einen aus der Routine, keine überragenden Songpartien fesseln einen an diese Scheibe und nach dem dritten oder vierten Durchgang bin ich soweit zu sagen, das ich nicht bereue, diese Platte gekauft zu haben, das sie aber sicher nicht zu einer sehr häufig gespielten Scheibe werden wird.
Da haben Sammet und seine Mitstreiter schon besseres abgeliefert, vor allem die beiden Metal Opera Scheiben bieten da wesentlich interessantere und vielseitigere Kost, die aber vielleicht nicht ganz so Massenkompatibel gewesen sein mag.

Vielleicht steht  einer klareren Linie auch der Einsatz eines vollständigen Orchesters im Weg, das an der einen oder anderen Stelle eventuell ein wenig übertrieben eingesetzt wird und somit die Konzentration auf das wesentliche verloren geht. Schwer zu sagen, wenn man nur das Endergebnis kennt und nicht bei der Produktion anwesend sein konnte.

Dem Himmel sei dank, gibt es aber auf dem Markt des Power Metal noch innovativere Gruppe, wie man gerade bei Heavatar sehen kann, und Herr Sammet wird mit Sicherheit wieder brillante LiveShows durchziehen, aber mit dieser Scheibe gehört er für mich nicht mehr zur ersten Garde seiner Zunft.

FAZIT: Eine Scheibe, die es wert ist, gehört zu werden, aber die, vor allem ob der hohen, von Sammet selber, geschürten Erwartungen nicht das bietet, was ich mir erhofft habe.
Mein Favorit auf dieser Scheibe ist übrigens "Where Clock Hands Freeze", auch wegen des hörenswerten Solos.