Freitag, 27. April 2012

CD - Unleashed - Odalheim


Die Schweden von Unleashed sind seit nunmehr über 20 Jahren in der Deathmetal Szene zu hause und haben diese Zeit mit einem extrem stabilen Lineup über die Bühne gebracht. Im Jahr 2012 haben sie schließlich bereits ihre 11. Albumproduktion auf den Markt gebracht, womit sie ihren Rhythmus einhalten, alle zwei Jahre eine neue Platte zu veröffentlichen.

Das Cover der Platte ist wieder sehr stilvoll und erinnert ein wenig an die Front des Vorgängers „As Yggdrasil Trembles“ wobei ich es sehr konsequent finde, das man auf eben diesen Covern von Unleashed den Namen der Band nicht suchen muss, sonder er eigentlich immer schnell und leicht zu erkennen ist. Aber er steht nicht für sich und stört das Bild, sondern er ist immer gut integriert.

Aber genug der Äußerlichkeiten, denn es geht ja um Musik, und davon bekommt man auf dieser Scheibe wieder viel geboten. Zwar kommen nur knapp 43 Minuten zusammen, aber die sind dafür von vorne bis hinten exzellent geschrieben, gespielt/gesungen und produziert. Druckvoll, ein wenig rau und roh, aber transparent genug, um die Klasse der einzelnen Musiker erkennen zu lassen und die Konsequenz und Schönheit im Songwriting zu unterstreichen.

Die Songs, jeder einzelne von ihnen, haben zwei Gesichter. Eine klassische Deathmetal Seite, die geprägt wird von der Herkunft der Band, die nicht verleugnen kann, das sie eine der frühen Bands des Genres aus Skandinavien sind. Diese Seite macht sich vor allem im Fundament und den fetten Riffs der Gitarren deutlich.
Aber dann gibt es da immer wieder eine zweite Seite, die Unleashed von vielen Bands der Szene unterscheidet. Sie schaffen es, ihren Stücken auch eine Facette zu verleihen, die vielleicht nicht zu passen scheint, aber dann von den Musikern so brillant umgesetzt und integriert wird, das man das Gefühl hat, das es schon immer so sein sollte.

Manch einer wird mag jetzt denken, das die Platten und Lieder dieses Genres immer gleich klingen, aber wenn man sich die Stücke einmal mit offenen Ohren und offenem Geist anhört, sollte einem schon auffallen, das es auch hier kleinere oder größere Unterschiede gibt, ein Umstand, der über Jahre erfolgreiche Bands wie Unleashed eben von den auch in diesem Bereich existierenden Eintagsfliegen unterscheidet.
So wird der Gesang immer wieder variiert und es werden eingängige mitgröhl Refrains geschaffen, die eine Live Performance der Schweden immer zu einem Erlebnis machen. Auch die Gitarren bekommen immer wieder Raum und Zeit, sich in schaurig schönen Solos und Bridges zu ergeben, die melodische Elemente in die Musik bringen.

Fazit: Und Unleashed beweisen auf jeden Fall wieder, das sie zur Speerspitze des schwedischen Deathemetals gehören und das eindrucksvoll, laut, vertraut und neu. Meiner Meinung nach ein Muss für Unleashed und Fans des gepflegten Deathmetal, aber auch eine Scheibe, um sich mal mit etwas anderem auseinander zu setzen, wenn man diese Art der Musik bis dahin nicht gehört hat oder hören wollte.

Keep Rocking
GrimReaper

Band: Unleashed
Album: Odalheim
Bewertung: 85%
Genre: Death Metal
Herkunft: Schweden
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichungsdatum: 20.4.2012
Homepage: http://www.unleashed.se/yggdrasil/index.php
Anspieltip: Vinland

Setlist
1 Fimbulwinter
2 Odalheim
3 White Christ
4 The Hour of Defeat
5 Gathering The Battalions
6 Vinland
7 Rise of The Maya Warriors
8 By Celtic And British Shores
9 The Soil of Our Fathers
10 Germania
11 The Great Battle of Odalheim

CD - Eskimo Callboy - Bury me in Vegas


Eskimo Callboy!

Was für ein lustiger Name dachte ich mir, als ich ihn das erste mal las. Das war auf dem Plakat mit dem Lineup für das Mach1 Festival (das mittlerweile in Mair1 umbenannt werden musste). Und als ich mich schlau machte, besagte deren Homepage, sie würden etwas machen, das sich Elektrocore nannte. Darunter konnte ich mir nichts vorstellen, also dachte ich mir „Schau's dir mal an, dann weißt du, was die Jungs damit meinen.“

Gesagt, getan. Und so stand ich dann vor der Bühne, als die Band die Bühne betrat und diese mit Hilfe des Publikums fachgerecht zerlegte. Es war unglaublich, welche Energie die Jungs an den Tag legten sobald sie ihren Platz eingenommen hatten und wie sie diese dann aufrecht erhielten, bis sie die Bühne wieder verlassen mussten. Das Publikum feierte die Jungs von der Emscher vom ersten bis zum letzten Takt und man merkte, das es sich bei der Band um echtes Ereignis handelt, wenn sie Live auftreten.

Und jetzt weiß ich auch, was Elektrocore ist und entsprechend skeptisch war ich,als ich hörte, das die Callboys ein Album auf den Markt bringen würden. Denn die Mischung aus harten Breaks, knackigen Blastbeats und urigen Shouts gepaart mit extremen Effekten und einer intensiven Samplenutzung ist bestimmt ein Rezept, das Live seine volle Stärke entfalten kann, aber ob man so etwas auf einer CD einfangen kann, ist wohl abzuwarten.

Aber bereits der erste Durchlauf der CD zwingt mich, wie ich es vom Liveauftritt her kannte, dazu, ständig mit dem Fuß mit zu wippen, oder aber sogar mehr. Nicht nur, das die Produktion sehr gut gelungen ist, was bei allen Unterschieden in den Sounds nicht immer ganz einfach ist, sondern auch das Zusammenspiel der beiden Sänger mit ihren unterschiedlichen Stimmen ist hervorragend umgesetzt, eingesetzt und eingefangen.

Die restlichen Instrumente, die wie auch die Stimmen, immer wieder extrem von Effekten zerlegt und zerrissen werden passen sich wunderbar in ein Gesamtbild ein, das man runder wohl kaum machen kann. Aber trotz allem Lob bleibt natürlich die Frage, ob und wie lange sich diese Art von Musik wird halten können und ob ihr dauerhaft und auch auf CDs Erfolg vergönnt sein wird.
Diese Frage ist natürlich müßig, wenn man überlegt, wie oft der Hardcore schon tot gesagt worden ist und immer noch lebt. Ich denke auch auf diesem Gebiet des „PartyCore“ wird sich durchsetzen, wer immer wieder alles gibt und zwar Live und auf CDs.

Aber wie im Hardcore, muss ich sagen, das mich auch bei dieser CD stört, das die Songs so kurz gehalten werden, das sie teilweise keine Zeit bekommen, gute Ideen besser zu entwickeln. Und von diesen Ideen gibt es einige, was ein Vorteil ist, und die Musik immer wieder interessant macht. Diese Scheibe ist für mich nichts für eine Dauerrotation, aber zum Abschalten wunderbar geeignet.

Fazit: Diese Band und ihre Musik ist mit Sicherheit nichts für jedermann, aber wer bereit ist, sich auf Experimente einzulassen und Musik als das zu sehen, was sie ist, nämlich ein Mittel um zu unterhalten, der kann hier getrost zugreifen, auch wenn die Gesamtspielzeit von nicht einmal 40 Minuten natürlich schon grenzwertig ist, aber dafür bekommt man immerhin 11 energiegeladene Songs zum Feiern vom Feinsten.

Viel Spaß
GrimReaper

Band: Eskimo Callboy
Album: Bury me in Vegas
Bewertung: 70%
Genre: Electrocore
Herkunft: Deutschland
Label: Redfield Records
Veröffentlichungsdatum: 23.3.2012
Homepage: http://www.eskimocallboy.de/
Anspieltip: Is Anyone Up

Setlist
1. Bury Me In Vegas
2. The Kerosene Dance
3. Internude
4. Is Anyone Up
5. Wonderbra Boulevard
6. Legendary Sleeping Assault
7. Light The Skyline
8. 5$ Bitchcore
9. Transilvanian Cunthunger
10. Muffin Purper-Gurk
11. Snow Covered Polaroids

Konzert - „NoSound“ und „A Liquid Landscape“ - 26.4.2012 - Rind / Rüsselsheim


Zwei mir unbekannte Bands und eine Beschreibung auf der Seite des Veranstaltungsortes brachten mich auf den Weg diese Konzerts in der Opelstadt. Das Rind als Ort ausgefallener Konzerte kenne ich ja schon eine Weile, aber das war mein erster Besuch dort, ohne auch nur eine der Bands vorher gekannt zu haben. Natürlich habe ich mich, nachdem ich den Begleittext zu den beiden Bands auf der Homepage des Rindes gelesen hatte, auch ein wenig über die Musik und die Karriere der Protagonisten des Abends informiert.

Trotzdem würde ich sagen, das ich eher zu einem unbekannten Konzert gefahren bin, als ich mich nach Rüsselsheim aufmachte und mir, entgegen meiner üblichen Gewohnheit, meine Karte an der Abendskasse hole. Ich bin eine wenig überrascht, wie wenig vor der Halle los ist, in der das Konzert steigen soll, aber als ich pünktlich um 20 Uhr den Raum vor der Bühne betrete, weiß ich, das es ein Konzert mit einer sehr privaten Atmosphäre werden wird.

Es stehen einige Tische mit Stühlen bereit, direkt vor der Bühne und dahinter noch einige Stehtische mit zugehörigen Hockern. Ich besorge mir also etwas zu trinken und setze mich in die zweite Reihe an einen der Stehtische. Die Zeit bis zum Konzertbeginn, der für 20Uhr30 angekündigt ist, vergeht zügig und als einige Holländer aus dem Raum schließlich auf die Bühne klettern, denn der seitliche Eingang wird von einer Leinwand blockiert, zeigt die Uhr tatsächlich genau die anvisierte Zeit.
Es dauert noch ein paar Minuten, bis die 6 Mann, die die Bühne betreten haben, sich und ihre Instrumente sortiert haben, also genug Zeit, sich über diese Zahl zu wundern, denn eigentlich besteht die Band aus 4 Musikern. Bald soll sich heraus stellen, das die Band zeitgleich mit ihrem Debütalbum auch einen Filmemacher gefunden haben, der mit ihnen zusammen einen Film produziert hat, den er bei diesem Auftritt als VJ selber abspielt. Der sechste mann auf der Bühne ist der Sounddesigner für den Film, der diese Untermalung offensichtlich auch auf der Bühne Live übernimmt.

Den Film werde ich mir online noch mal ansehen werden, weil er zwar ständig im Hintergrund läuft, dort aber eben nicht immer klar wahrgenommen werden kann. Es gibt, was sich so mitbekommen habe, einige stimmungsvolle Aufnahmen, an denen die band auch teilgenommen hat, aber einen Zusammenhang zur Musik habe zumindest an diesem Abend nicht feststellen können. Aber trotzdem eine interessante Idee.

Nun aber zum eigentlichen Grund dieses Abends, der Musik. Die Jungs von „A Liquid Landscape“ beginnen, nachdem alle Instrumente einsatzbereit sind, mit ihrem Auftritt und direkt mal mit einem fast 20 minütigen Mammutstück, das aber die Richtung des Abends klar macht. Ein bisschen Post-Rock, etwas Ambient, gepaart mit einigen progressiven Elementen und einem hohen musikalischem Niveau bei allen Instrumenten.
Der Schlagzeuger, der hinter einem recht minimalistischen Set Platz genommen hat, soll im Laufe des Konzerts die gesamte Bandbreite an Sticks nutzen, um seine Variabilität noch zu unterstützen. Der Bassist, der sich zwischenzeitlich auch an einem Synthesizer zu schaffen macht, spielt von Gefühlvoll bis Volldampf das gesamte Repertoire und unterstützt die Songs damit optimal. Auch seine Bühnenpräsenz ist den jeweiligen Stücken oder Sequenzen jeweils sehr gut angepasst.

Der Sänger und Gitarrist weiß vor allem durch variable Stimmgestaltung zu überzeugen und macht auch an der Gitarre eine gute Figur, aber für mich das absolute Highlight ist der zweite Gitarrist, der sich auch auf seinen 6-Saiter konzentrieren kann. Mit immer wieder neuen Effekten weiß er die Musik auf einen neues Niveau zu heben und seinem Instrument Töne zu entlocken, die man ihm nicht zugetraut hätte. Dafür muss er allerdings seine klassischen Bodeneffekte auch immer wieder mit den Händen justieren, so das während dieser Stücke seine Seite der Bühne immer etwas verwaist erscheint, was aber kein großes Problem ist, weil die Beleuchtung auch heute wieder eher spärlich gehalten ist.

Wie man zwischenzeitlich erfährt, spielen die Holländer ihre erste Show in Deutschland und werden heute ihr komplettes Erstlingswerk zum besten geben. Zu hoffen bleibt, das die Jungs sich von den lediglich 20 Zuschauern nicht entmutigen lassen, weitere Konzerte in Deutschland zu spielen, denn sie sind wirklich sehens- und hörenswert. Wobei man sagen muss, das die geringe Menge an Zuschauern doch eine gehörige Menge an Applaus für alle Künstler des Abends spendet, was diese auch wohlwollend zur Kenntnis nehmen.
Als dieser Teil des Konzerts schließlich nach etwas über einer Stunde zu Ende geht, scheinen Musiker und Publikum zurfieden mit diesem Teil des Abends und während die Musiker sich um den Umbau der Bühne kümmern, machen die Zuschauer, was sie eben wollen. Etwas trinken, rauchen oder einfach interessiert zusehen, wie die Bühne von allen überflüssigen Teilen befreit wird, um Platz zu machen für „NoSound“.

Nach etwas mehr als 30 Minuten ist der Umbau abgeschlossen und die Italiener von „NoSound“ haben sich dort breit gemacht. Ein Drummer, ein Basser, ein Keyboarder, ein Gitarrist und ein Sänger (der auch zur Gitarre greift) bevölkern den nun etwas großzügigeren Raum der Bühne und legen auch sofort los. Die Musik ist abwechslungsreich, der Sound, wie bei der ersten Band und wie nicht anders gewohnt vom Rind, hervorragend und die Stimmung auf der Bühne und im Publikum etwas ruiger, was wahrscheinlich der vorgerückten Stunde zu schulden ist, aber auch der insgesamt etwas atmosphärischeren und ruhigeren Musik.

Die Stücke der Italiener sind etwas weniger Progressiv sondern setzen eher etwas auf epische Breite, was dazu führt, das man versucht ist, hin und wieder mal die Augen zu schließen und zu träumen. Da mein Tag aber schon etwas länger war an diesem Donnerstag, fiel es mir dann sehr schwer, die Augen wieder zu öffnen, so das ich das träumen bei der Musik dann lieber mit offenen Augen mache. Der Gesang, der sehr variabel gestaltet ist und durchgehend in englisch gehalten ist, wechselt dann beim letzten Stück des regulären Sets ins italienische, ein Umstand, der diesem Stück noch mal deutlich mehr Glanz verleiht.

So bleiben nur zwei Dinge, die an diesem Abend verbesserungswürdig waren. Erstens würde ich den Jungs von „NoSound“ empfehlen, ein paar Songs in ihrer Muttersprache zu singen, das würde ihnen bestimmt auch außerhalb ihres Heimatlandes neue Fans einbringen, das klang sehr interessant. Und dann wäre eine umgekehrte Reihenfolge der Bands nicht falsch gewesen, aufgrund der doch deutlich ruhigeren Musik der Jungs aus Italien.

Das Publikum, das auch bei „NoSound“ nicht mit Applaus geizte, war im übrigen auch beim Hauptact des Abends nicht viel zahlreicher, erwies sich aber dafür als extrem fachkundig, so ließ es sich nicht von vorübergehend ruhigen Passagen in Songs aus dem Rhythmus bringen, wann man zu applaudieren hatte.
Und so endete nach weiteren eineinhalb Stunden erneut ein sehr schöner Abend im Rind, und ich verließ den Ort mal wieder mit der Gewissheit, das ich mit Sicherheit nicht das letzte mal da gewesen bin und mit der Hoffnung auf weitere Experimente mit solch eher exotischen Bands. Wenn es etwas mehr Unterstützung seitens der Zuschauer gäbe, wäre der Abend aber bestimmt noch ein gutes Stück besser gewesen.

Zuletzt also noch einmal Dank an die Jungs und Mädels vom Rind, die Veranstalter, die Bands und natürlich das Publikum.

Keep Rocking
GrimReaper

Setlist „A Liquid Landscape“ (https://www.facebook.com/aliquidlandscape)___##0##___ 1. Nightingale Express
2. Wanderers Log You
3. June Fifth
4. Phases
5. The Unreachable
6. Wanderers Log Me
7. Thieves Of Time
8. Out Of Line
9. Come On Home
10. Wanderers Log Storm
11. Secret Isle

Setlist „NoSound“ (https://www.facebook.com/nosoundnet)___##0##___ 1. idle end
2. places remained
3. fading silently
4. some warmth into this chill
5. winter will come
6. kites
7. from silence to noise
8. the anger song
9. paralyzed
10. the moment she knew (Zugabe)

Mittwoch, 25. April 2012

Video - Storm Corrosion - Drag Ropes


Band: Storm Corrosion
Video: Drag Rope
Veröffentlichungsdatum: 24.3.2012
Link: http://www.youtube.com/watch?v=GuRj8VUZn8

Ich hatte das Video zwar schon einmal gesehen, vor einigen Wochen, aber dann wurde es wieder gelöscht, bevor ich es in Ruhe hatte hören und sehen können. Aber diesmal scheint es endgültig veröffentlicht worden zu sein und bleibt wohl verfügbar.

Für die, die es noch nicht wissen, Storm Corrosion ist die Zusammenarbeit von Mikael Åkerfeldt und Steven Wilson, den jeweiligen Masterbrains hinter den ProgRock Legenden Opeth und Porcupine Tree. Das klingt vielversprechend und Anfang Mai ist der Release des ersten, selbstbetitelten Albums geplant, aber die Aussagen der beiden Musiker im Vorfeld des Albums, und natürlich auch dieses ersten Songs davon, waren immer, das sie etwas vollkommen anderes würden machen wollen, als das, was man von ihnen erwarten würde.

Und eines ist sicher: Diese Aussage ist wahr.
Nicht, das sich in der Musik dieses Liedes nicht die Genialität der beiden Protagonisten wieder spiegeln würde, aber von der Stimmung erinnert das ganze eher an die Soloprojekte von Wilson Das wiederum dürfte bedeuten, das Fans der beiden Bands nicht unbedingt auch Fans dieser Supergroup werden dürften, ein Begriff den Wilson und Åkerfeldt beide nicht gerne hören wollen.

Aber zurück zu dem Video und der Musik. Ein sehr ruhiger, aber schöner Song, der allerdings ein paar Durchläufe braucht, um zu wirken, was für die beiden Musiker spricht, allerdings bei einer Länge von 10 Minuten schon etwas Geduld erfordert. Die Musik hält die eine oder andere unerwartete Wendung bereit, aber was fehlt die große Überraschung.

Die Geschichte, die im Lied und im Video erzählt wird, ist ein klassisches Thema und würde durchaus entsprechende Höhepunkte zugelassen haben. Aber genau wie die Band sich entschieden hat, das Video in einer einfachen, aber schönen Schattentheater Darstellung zu filmen, haben sie sich entschieden, die Musik nicht zu dem einen oder anderen dramatischen Höhepunkt zu führen. Was bleibt ist also ein Song, der viele Fans von Porcupine Tree und Opeth nicht zufrieden stellen wird, aber weder Wilson noch Åkerfeldt müssen irgendjemandem irgendetwas beweisen, sondern nur sich treu zu bleiben.

Und ich persönlich finde, die beiden haben gezeigt, was sie machen wollten mit diesem Projekt und jetzt muss eben jeder Fan überlegen, ob er damit leben kann und die gesamte CD kauft oder sich entscheidet, das dies nicht ist, was er sich erhofft hat. Ich werde meine Bestellung auf jeden Fall aufrecht erhalten.

Stay Heavy
GrimReaper

CD - Adrenaline Mob - Omerta


Auch bei dieser Scheibe sind die Erwartungen ob der großen Namen recht hoch. Denn mit Rusell Allen (Vocals) von SymphonyX, John Moyer (Bass) von Disturbed und Mike Portnoy (Drums), ehemals bei Dream Theater, sind drei echte Schwergewichte des harten Musik in diesem Projekt, denn mehr ist es zur Zeit wohl erst mal nicht, unterwegs. Mit Mike Orlando haben sie zwar einen recht unbekannten Gitarristen mit an Bord genommen, aber ob sich das als Nachteil erweisen kann, wird sich erst beim Hören der Scheibe zeigen.

Die Band, die nach Portnoys Abgang bei Dream Theater, anfing Gestalt anzunehmen hat, in leicht veränderter Besetzung, bereits eine EP heraus gebracht, die recht guten Anklang fand, sowohl bei Fans, als auch bei den Kritikern. Zusätzlich spielte die Gruppe bereits einige Konzerte, vorzugsweise in den USA, deren Aufnahmen auch einiges erwarten und erhoffen ließen.

Nun also „Omerta“. So der Name der ersten CD des Quartetts, auf der Mike Orlando nicht nur den 6-Saiter eingespielt hat, sondern auch für den Bass verantwortlich zeichnet. Das ein Mann wie John Moyer noch weitere Facetten zu den Stücken hinzufügen wird, dürfte klar sein, aber die Aufnahmen hat er eben nicht mitgemacht.

Und dann liegt die Scheibe im Player und von Beginn an ist die druckvolle Produktion beeindrucken. Sofort merkt man, was für geniale Einzelmusiker hier am Werke sind, aber auch, das ein Song bei solchen Leuten eben mehr ist, als die Summe seiner Einzelteile. Sofort merkt man, das sich die Musiker viel vorgenommen haben und ihre Einflüsse auf die Musik sind klar erkennbar. Vom Power Metal, über klassische Thrash Metal Elemente bis hin zu Elementen des Modernen Metal ist vieles wieder zu finden, und auch die Vielfältigkeit der Musiker ist beeindrucken.

Nicht, das man bei den oben genannten Namen davon unbedingt überrascht sein sollte, aber wie sie es umsetzen ist schon ein Stück weit beeindruckend. Was aber noch viel beeindruckender ist, ist das Spiel von Mike Orlando an Bass und Gitarre. Er ist nicht nur jederzeit auf der Höhe mit den beiden Granden Portnoy und Allen, sondern kann tatsächlich, vor allem natürlich an der Gitarre, echte Highlights setzen und dem Sound des Albums immer wieder neue Wendungen geben.
So haben einige seiner Solos, die er oft recht schnell und filigran spielt, progressive Elemente, die durchaus Erinnerungen an Dream Theater oder SymphonyX erwecken. Ob das Absicht ist, oder ungewollt von Orlando aufgenommen wurde, spielt keine große Rolle, denn die Solos passen sich perfekt in die restlichen Stücke ein.

Das das Album etwas rau und roh in der Produktion klingt, ist wohl Absicht, auch wenn ich der Meinung bin, das eine klarere Produktion vielleicht besser gewesen wäre. Nichtsdestotrotz ist die Scheibe so transparent, wie es nötig ist, um die Feinheiten der Songs gut zur Geltung zu bringen. So vor allem den vielseitigen Gesang eines Rusell Allen, der alle Register seiner Stimme zieht um die Lieder zu gestalten. Dabei ist die Stimme immer präsent, ohne den Rest der Musik weg zu drücken.

Außerdem hat diese CD, genau wie der Vorgänger EP echtes Live-Potential, und ich freue mich schon drauf, die Jungs Live zu erleben zu können, wenn sie bald nach Europa kommen. Bis dahin dürften dann auch die teilweise sehr eingängigen Refrains sitzen so das einer lautstarken Unterstützung der Band dann hoffentlich nichts mehr im Wege steht.

Fazit: Eine hörenswerte, interessante Scheibe, von einer Band, die ihr wahres Potential auf der Bühne dürfte auspacken können. Aber auch aus dem Studio ist noch einiges zu erwarten, wenn die 4 Jungs ihre ganzen Fähigkeiten zusammen werfen, ohne daran zu denken, was sie vielleicht NICHT machen wollen.

Keep Rocking \m/
GrimReaper

Band: Adrenaline Mob
Album: Omerta
Bewertung: 80%
Genre: Heavy Metal / Hard Rock
Herkunft: USA
Label: Century Media Records Ltd
Veröffentlichungsdatum: 19.3.2012
Homepage: http://adrenalinemob.com/
Anspieltip: Freight Train

Setlist
1. Undaunted
2. Psychosane
3. Indifferent
4. All On The Line
5. Hit The Wall
6. Feelin' Me
7. Come Undone
8. Believe Me
9. Down To The Floor
10. Angel Sky
11. Freight Train

Dienstag, 24. April 2012

CD - Fyling Colors - Flying Colors


Wenn man die Namen liest, die an diesem Projekt mitarbeiten, also auf musikalischer Seite, dann kann man eigentlich nur mit der Zunge schnalzen und sich die Finger lecken und hoffen.

Hier mal das LineUp, für den Fall, das noch nicht klar ist, wer hinter dem Namen steht:
- Schlagzeug: Mike Portnoy (ex-Dream Theater)
- Bass: Dave LaRue (Steve Morse Band)
- Keyboard: Neal Morse (ex-Spock's Beard)
- Gesang: Casey McPherson (Alpha Rev)
- Gitarre: Steve Morse (Deep Purple)

Der Beginn der Platte ist auch interessant, weil er ein wenig lustig gehalten ist, aber leider folgt danach erst einmal ein Stück, das so gar nicht zu den Namen passen will, die man gerade gelesen hat. Viel zu glatt, vorhersehbar und poppig klingt dieser Anfang. Man hat das Gefühl einen 80er Jahre Pop Song vor sich zu haben, der zwar interessant klingt, aber keinen Druck entwickelt, mal abgesehen vom Schlagzeug.

Beim weiteren hören der Platte werden einige der Nachteile zwar gelöst, so steigt der Druck der Musik deutlich und macht dann auch vom Sound her wieder mehr her, als Pop Songs der 80er. Leider erdrücken die Vocals zu oft die Instrumente, vor allem die Keyboards und Gitarren, so das die erhoffte Transparenz nicht das Niveau erreicht, was man sich bei einer solchen Supergroup erhoffen würde.

Genau diese Erwartungen erfüllt „Flying Colors“ auch in keiner Weise, wenn es um die Dauer der Stücke geht und damit natürlich um die Möglichkeit, auch mal etwas unerwartetes zu machen. Lediglich zwei Songs sind etwas läner aber deswegen leider noch nicht progressiver. Letzte Chance ist dann das abschließende „Infinite Fire“ das mit 12 Minuten hoffen lässt, aber auch hier werden viele gute Ideen angefangen aber nicht zu Ende gebracht.

Bei weiteren Durchläufen verbessert sich der Eindruck erst ein wenig, um aber dann endgültig doch da zu enden, wo er begonnen hat. Die Scheibe ist auf einem musikalisch hohem Niveau eingespielt, sehr glatt produziert aber lässt leider nicht den Funken der Begeisterung überspringen, so das die CD auf Dauer wohl eher als Belanglos zu bezeichnen ist.

Fazit: Die Namen der Mitglieder dieser Band, wenn sie auch nicht zur Werbung genutzt wurden, lassen großes erhoffen, aber zumindest meine Erwartungen wurden nicht erfüllt. Aber immerhin hat man jetzt auch mal eine „Progressive Rock“ Scheibe, die man jederzeit gut im Hintergrund laufen lassen kann, ohne Angst haben zu müssen, etwas zu verpassen.

Keep Rocking
GrimReaper

Band: Flying Colors
Album: Flying Colors
Bewertung: 60%
Genre: Progressive Rock / Metal
Herkunft: USA
Label: Music Theories Recordings
Veröffentlichungsdatum: 23.3.2012
Homepage: http://flyingcolorsmusic.com/
Anspieltip: Infinite Fire

Setlist, Download Album
1. Blue Ocean
2. Shoulda Coulda Woulda
3. Kayla
4. The Storm
5. Forever In A Daze
6. Love Is What I'm Waiting For
7. Everything Changes
8. Better Than Walking Away
9. All Falls Down
10. Fool In My Heart
11. Infinite Fire

Montag, 23. April 2012

CD - Borknagar - Urd


Black Metal, das heißt für mich immer, das ich mich an ein weiteres Instrument gewöhnen muss, denn die Stimmen bei dieser Art Musik sind schwer bis kaum verständlich, so das ich für meinen Teil sie einfach als weiteres Instrument annehme, das den Sound der Songs bildet.
Seit meinem ersten Kontakt mit dieser Art von Musik, die mir von ihren Rhythmen und Stimmungen extrem gut gefällt, mache ich das und kann mir deswegen erst im Nachhinein eine Meinung über die texte bilden, die ich nachlesen muss.

Als ich jetzt also die neue Scheibe von Borknagar in den Händen hielt und sie das erste mal abspielte, war ich zuerst etwas überrascht, über den klaren Gesang. Der passte sich wunderbar in die Stücke ein, aber ich hielt ihn beim ersten Stück noch für ein Stilmittel. Aber dann stellt sich heraus, das diese Scheibe mal wieder Dinge zusammen bringt, die man nicht unter dem Label Borknagar erwarten würde.

Und wenn man die Scheibe ein erstes mal durch gehört hat, ist man sich sicher, das dieses Machwerk mehr verdient als nur die Klassifizierung Black Metal. Das ist Musik, die über Genregrenzen geht und den Zuhörer zwingt, sich auf jedes Lied wieder erneut einzulassen. Man kann nie sicher sein, was einen als nächstes erwartet und selbst die Gesangsstimmen sind, weil sie von nicht weniger als drei brillanten Sängern getragen werden, sind vielfältig wie die ganze Scheibe.

Ich denke, selbst Leute, die mit Black Metal bis dato nichts anfangen konnten, könnte diese Scheibe gefallen, wenn sie bereit wären, sich vom Denken in Schubladen zu verabschieden. Denn nicht nur überraschen die Norweger mit harten Riffs, schönen Melodien und vollen Arrangements, sondern sie beweisen auch, das sie gefühlvolle Balladen schreiben und spielen können. So ist „The Plains of Memories“ eines der schönsten Stücke dieser Art, das ich in der letzten Zeit hören durfte.

Aber nie wird die Produktion zu dicht, sondern bleibt immer transparent, so das man die einzelnen Instrumente und ihre Feinheiten heraushören kann. Das druckvolle Fundament aus Bass und Drums, die teils wuchtigen, teil filigranen Gitarrenläufe und Duelle und natürlich nicht zuletzt die variablen Stimmen der Sänger. Jeder für sich ein Könner aber in der Gesamtheit der Platte ein absolutes Meisterwerk.
Aber trotz allem, und das ist gut so, kann die Musik nicht ihre Herkunft verleugnen. Weder geographisch, noch musikhistorisch entfernen sich Borknagar zu weit von ihren Wurzeln, um ihre Eigenständigkeit nicht zu verlieren, die sie mit diesem Album mal wieder unter Beweis gestellt haben.

Fazit: Wer Lust darauf hat, sich mit der Musik, die er oder sie hört, auseinander zu setzen und auch mal neue Dinge zu erleben, der ist bei „Urd“ perfekt aufgehoben. Wer dann auch noch bereit ist, das Label Black Metal nicht zu ernst zu nehmen, kann eine ganz neue Klangwelt entdecken.

Stay Heavy \m/
GrimReaper

Band: Borknagar
Album: Urd
Bewertung: 95%
Genre: Avantgarde Black Metal
Herkunft: Norwegen
Label: Century Media Records Ltd
Veröffentlichungsdatum: 26.3.2012
Homepage: http://borknagar.com/
Anspieltip: The Earthling

Setlist, Limited Edition
1. Epochalypse
2. Roots
3. The Beauty Of Dead Cities
4. The Earthling
5. The Plains Of Memories
6. Mount Regency
7. Frostrite
8. The Winter Eclipse
9. In A Deeper World
10. Age Of Creation
11. My Friend Of Misery

Samstag, 21. April 2012

CD - Suspyre - Suspyre


Das bessere “Dream Theater”?
Das war die erste Frage, die mir in den Sinn kam, als ich die Scheibe von den Jungs aus New Jersey in der Hand hatte oder besser, als ich sie im Player hatte um sie anzuhören.

Aber dieses Gefühl verfliegt schnell wieder, denn die Musik ist plötzlich so ganz anders. Sie ist viel kraftvoller, als würde man einer klassischen PowerMetal Band zuhören. Und diese Erkenntnis geht noch ein paarmal weiter. So kommen im Verlauf des Albums neben den schon erwähnten progressiven Elementen eben auch Power- und PostMetal Elemente. Einige Sounds erinnern doch stark an die hohe Zeit der ArtRock Bands, aber die Musik ist weitaus luftiger, nicht so dicht.

Und dann ist sie wieder härter, aber schließlich folgt sogar ein Song, bei dem man endgültig denkt, die falsche Scheibe im Laufwerk zu haben, denn das Stück „Cancún“ klingt eindeutig wie das Machwerk eines Singer/Songwriters. Akustische Gitarre, Saxophon und ein sanftes Schlagzeug unterstützen die Stimme des Sängers in dieser Ballade. Auch Einstreuungen eines Klaviers verstärken den Eindruck eines schummrigen Barbesuchs. Wunderschön aber mit der nötigen Durchsetzungskraft!

Und als wenn das alles nicht genug Vielfalt wäre, wundert man sich doch über Aussagen wie „Einflüsse: Igor Stravinsky, Gustav Mahler, J.S. Bach“ auf der Facebook Seite der Amerikaner. Eigentlich sollte man denken, es handelt sich um eine Aussage, das man sich von diesen klassischen Komponisten beeinflusst fühlt, aber nein, das ist sehr konkret gemeint, wie man im Stück „The Whispers Never Written“ unschwer erkennen kann.

Im selben Stück finden sich dann auch noch Anlehnungen an orientalische Musik, was dann endgültig zeigt, das diese Jungs noch einiges zu zeigen haben, wenn man überlegt, was sie alles als Quelle ihrer Inspiration nutzen.

Vor dem Hintergrund dieser Vielfalt an Stilrichtungen die von den 6 Amerikanern zielsicher miteinander verschmolzen werden und immer wieder überraschend ineinander übergehen, rechtfertigt sich wohl auch die Selbstbetitelung des Albums. Und wenn diese Platte tatsächlich die Richtung vorgeben soll, dann kann ich nur hoffen, die Jungs machen noch viel Musik und ich bekomme irgendwann einmal die Chance, sie live erleben zu dürfen.

Und da es ja bekanntlich überall dort, wo es Licht gibt, auch Schatten gibt, bleibt auch das hier nicht aus. Einige der Songs wirken etwas überladen, so als hätte man versucht, ihnen nicht die Zeit zu geben, sich in Ruhe zu entwickeln. Nicht, das die Songs schlecht wären, aber sie wirken einfach gehetzt und damit unruhig.

Trotzdem bliebt ein durchweg positives Fazit:
Ein absolutes muss für Leute, die bereit sind, sich überraschen zu lassen, neue Ideen mitzugehen und Musik bewusst zu hören, denn für nebenbei ist die Musik von Suspyre nichts.

Und so möchte ich meine These vom Anfang umformulieren:
Das andere „Dream Theater“, wobei jeder für sich entscheiden will, was er lieber mag, oder ob er, so wie ich, einfach nur eine neue geile Band entdeckt hat mit Suspyre.

Keep Rocking! \m/
GrimReaper

Band: Suspyre
Album: Suspyre
Bewertung: 90%
Genre: Symphonic, Progressive Metal
Herkunft: USA
Label: Nightmare Records, Sensory Records
Veröffentlichungsdatum: 3.4.2012
Homepage: http://www.myspace.com/suspyre
Anspieltip: The Whispers never Written

Tracklist, Download Version
1. Chaser
2. Tranquility & Stress
3. The Divided Son
4. Still Bending the Violet
5. The Fire Dancer
6. Cancún
7. Shades...
8. The Cycle
9. The Whispers Never Written
10. The Man Made of Stone (Download Only)

Freitag, 20. April 2012

Konzert - RPWL supp. InVertigo - 19.4.2012 - Rind / Rüsselsheim


Die Entscheidung, das Konzert von RPWL zu besuchen fiel mir sehr leicht, als ich davon hörte, das die Band nach Rüsselsheim kommen würde. Denn erstens hat mir die letzte Scheibe der Bayer extrem gut gefallen und zweitens sind die Berichte über ihre Liveauftritte immer sehr begeistert. Und somit wollte ich mir dieses Erlebnis auch nicht entgehen lassen, zumal mir die Location in guter Erfahrung ist, da sie im Normalfall für guten Sound bei guten Konzerten steht.

So machte ich mich dann hoch motiviert sehr gespannt auf den Weg in die Opelstadt, auch wenn es mit einem Donnerstag erforderte, das ich am nächsten Tag würde arbeiten gehen müssen. Allerdings hoffte ich darauf, das meine Erfahrungen mit dem Aufführungsort sich weiter bestätigen würden und ein pünktlicher Konzertbeginn und eine gute Organisation sicher stellen würde, rechtzeitig dort weg zu kommen und den letzten Zug noch zu erwischen.

Aber zuerst einmal war ich froh, das es trocken war, als ich das Rind erreicht hatte und ich mich in die kurze Schlange einreihte. Als dann die Türen, wie angekündigt, pünktlich um 20 Uhr geöffnet wurden, freute ich mich schon tierisch und schnell füllte sich der kleine Saal und die Stimmung kann nur als freudig angespannt bezeichnet werden. Ein wenig überrascht war ich darüber, das ich doch einige Gespräche mit anhören konnte, denen man entnehmen konnte, das die Teilnehmer teilweise nicht einmal genau wussten, was sie erwarten würde, was auf ein sehr gemischtes Publikum schließen ließ.

Ich hatte sogar schon den Namen der Vorband in Erfahrung gebraucht und wartete auf den Auftritt von „InVertigo“, einer Band, die ihre Musik selber als Progressive Rock bezeichnete und von daher ideal zum Headliner passen sollte. Was ich schon mal schnell im Internet von den Jungs gehört hatte, klang vielversprechend, aber natürlich würde man erst mal schauen und hören müssen, wie sich die Jungs schlagen würden, wobei es schon verschiedene Hinweise im Netz gegeben hatte, das man sich würde freuen dürfen.

Pünktlich, einige Minuten vor 20Uhr30, dem angesagten Konzertbeginn, begibt sich dann tatsächlich eine Gruppe Musiker mitten durch den Zuschauerraum, der vielleicht halb gefüllt war zu diesem Zeitpunkt, in Richtung Bühne, um wie angekündigt den Abend mit Live Musik zu beginnen.
Ab den ersten Tönen zeigen die Gelsenkirchener dann auch sofort, in welche Richtung es gehen sollte und das Publikum nimmt die gebotene Performance sehr positiv auf. Zwar ist das Publikum eher etwas älter und die jungen Leute fehlen, ein Umstand der zwar zu etwas mehr Ruhe im Zuschauerraum sorgt, aber natürlich auch etwas weniger Bewegung und Emotionen mit sich bringt.

„InVertigo“ spielen zwar nur 5 Stücke, aber ihre Performance dauert trotzdem eine ganze Stunde, so das sie Chance nutzen, zu zeigen, was sie so drauf haben. So kommen sphärische Klangteppiche genauso wenig zu kurz, wie starke Basslines und die üblichen erwarteten und unerwarteten Breaks und Tempowechsel, die diese Musik so interessant machen. Nach den ersten zwei Stücken tauen die Musiker dann auch etwas auf, und ihre Interaktion mit dem Publikum wird etwas lockerer. Sogar ein paar kleine Witze werden gemacht und das Publikum an den entsprechenden Stellen sogar zum mit klatschen animiert, was die Musik wunderbar hergibt. Und nicht nur das, auch die eine oder andere Stelle zum mit singen haben die Jungs in ihre Musik eingebaut, was bei progressiver Musik ja eher selten ist, aber tierisch Spaß macht.

Unterstützt wird die Vielfältigkeit der Musik natürlich auch durch die Instrumentierung aus Schlagzeug, Bass,Gitarre und zwei Keyboards sowie einen Tontechniker, der jedes Problem im Sound löst, bevor man es richtig lokalisieren kann. Durch die beiden Keyboards ist die Soundvielfalt sehr groß erinnert bei den ersten Tönen dann erst mal an die klassischen Stücke von „Genesis“, aber ist dann in der Folge doch etwas druckvoller und entwickelt sich zu einem eigenständigen Stil, den die Jungs dann bis zum letzten Stück, einem 20 minütigen Mammut Namens „Memoirs of a Mayfly“, durchhalten. Das Stück bildet also nicht nur den Abschluss des Konzerts, sondern auch den Höhepunkt, in dem der Lebenszyklus einer Eintagsfliege erzählt wird. Eindrucksvoll!

Nach Ende des Konzerts, das mit reichlich Applaus bedacht wird, und den ersten „Zugabe“ Rufen, die aber natürlich negativ beschieden werden, beginnt ein schneller Umbau auf der kleinen Bühne und nach gerade mal 22 Minuten ist der Boden bereitet für den Hauptakt des Abends. Als das Licht wieder abgedunkelt wird, ist der Raum bestimmt zu ¾ gefüllt und die Stimmung ist freudig erwartungsvoll.

Als schließlich das Intro (in einer deutschen, etwas erweiterten Version) zur aktuellen CD „Beyond Man And Time“ ertönt, das als Konzeptalbum ausgelegt ist, hoffe ich, das die Münchner tatsächlich das gesamte Album am Stück spielen, was dann auch passiert. Die Bühne ist mit drei Leinwänden aufgewertet worden, von denen eine den Platz zwischen Drummer und Keyboarder im hinteren Bereich der Bühne einnimmt und zwei sich rechts und links auf der Bühne befinden, hinter denen sich auch der Gitarrist und der Bassist hin und wieder aufhalten, um sich im Schattenspiel zu versuchen, eine Sache, die wunderbar mit den gezeigten Filmenszenen harmoniert, die in der gleichen Art gehalten sind.

Das ergibt interessante Effekte, die immer wieder genutzt werden können, wenn die beiden Saitenspieler mal nicht an ihren Mikrofonen gebraucht werden. Außerdem macht Yogi Lang, der Sänger, mit seinen immer wieder wechselnden Verkleidungen jeden Song nicht nur zu einem akustischen sondern auch zu einem optischen Leckerbissen und den Abend zu einem echten Erlebnis. Und so gut die Songs auch immer von der CD klingen, die Emotionen und der Einsatz der Band führt dazu, das jeder einzelne Song noch einmal besser wird.

Wie zu erwarten, wird die Lautstärke während dieses zweiten Teils des Konzerts ein Stück lauter, aber auch diesmal hat der Tontechniker alles im Griff und mischt einen perfekten Sound, der die Vielfalt der Musik von RPWL gerecht wird. Und dank der größeren Bekanntheit der Stücke geht natürlich hier auch das Publikum hier besser mit und die Stimmung steigt von Song zu Song, insoweit es das Thema des Albums und die Musik zulässt. Zum Abschluss des durchgespielten Albums und als stimmungsvoller Ausklang des regulären Sets erfolgt während „The Noon“ noch die Vorstellung der an diesem Abend aktiven Musiker, wonach die Band erst einmal die Bühne verlässt.

Allerdings lassen sie sich nicht all zu lange bitten um für die Zugabe wieder auf die Bühne zu kommen und einige ihrer Klassiker aus der 15-jährigen Bandgeschichte zu spielen. Warum zu diesem Zeitpunkt, es ist gerade mal 23Uhr30 die ersten Gäste schon die Halle verlassen, verschließt sich mir, aber die dagebliebenen werden auf jeden Fall mit einer energiegeladenen Performance belohnt, bei der die Musiker die von den Leinwänden befreite Bühne in ihrer Gänze endlich nutzen können. Während der Zugabe, die immerhin 5 Stücke beinhaltet, können auch alle Musiker noch einmal ihre Fähigkeiten beweisen und so endet, um 00Uhr10 ein wunderschöner Konzertabend.

Fazit: Dieses war eines der schönsten und stimmungsvollsten Konzerte, das ich je gehört und gesehen habe. Es hat einfach alles gepasst. Die Location war perfekt gewählt, das Publikum bewies (zum größten Teil) Sachverstand und hörte den Songs mit der nötigen Ruhe und Geduld zu, der Sound war druckvoll aber zu keinen Zeitpunkt zu laut. Die Bands passten wunderbar zusammen und die Durchführung war perfekt organisiert.
Ein riesiges Lob an alle Beteiligten, vor allem natürlich die Bands, deren Teams und das Team vom Rind!

Rockige Grüße \m/
GrimReaper

Setlist „InVertigo“
1. Darkness
2. Waves
3. Suspicion
4. Dr. Ho
5. Memoirs of a Mayfly

Setlist „RPWL“
1. Intro
2. We Are What We Are
3. Beyond Man And Time
4. Unchain The Earth
5. The Ugliest Man In The World
6. The Road Of Creation
7. Somewhere In Between
8. The Shadow
9. The Wise In The Desert
10. The Fisherman
11. The Noon
Zugabe
12. Trying to kiss the sun
13. Breath In, Breath Out
14. Roses
15. Hole in the Sky
Zugabe 2
16. Embryo (Pink Floyd Cover)

Donnerstag, 19. April 2012

CD - Eths - III


Französische Musik? Na ja!
Französischer Metal? Da schaut/hört man doch mal hin!

Und als dann die dritte Platte der Franzosen im Player liegt, ist sämtliche Skepsis nach wenigen Sekunden wie weggeblasen, wenn einen die ersten Riffs getroffen haben die dann von einer wahnsinniges Stimme unterstützt werden.
Aber nicht nur der erste Eindruck ist beeindruckend bei diesem ersten Kontakt, sondern im Laufe der Platte macht es vor allem die Variabilität sämtlicher Musiker interessant immer wieder neue, vollkommen andere Facetten zu entdecken. Blastbeats und Breaks aus dem Hardcore finden genauso ihren Platz wie NuMetal Elemente, die mit gutem Gewissen als „Korn 2.0“ bezeichnet werden können. Außerdem zeigen die Gitarristen immer wieder, das sie auch in der Lage sind, klassische Riffgewitter auf die Platte zu zaubern, die denen von Bands wie Mashine Head in nichts nachstehen.
Diese Gitarren werden von einer Rhythmus Sektion unterstützt, die sich als ebenso variabel herausstellt, wie die Musik, von denen sich Eths inspirieren läßt. Oben angesprochene Blastbeats und Double Base sind genauso im Repertoire, wie ruhige aber kraftvolle Unterstützungen der Kollegen.

Getopt, im wahrsten Sinne des Wortes, wird das Ganze von einer extrem variablen Sängerin. Von ruhigen, baladesken Parts, über einen wunderschönen Clean Gesang in variabler Höhe, bis zu Growls, die einer Angela Gossow Ehre machen, ist alles im Angebot, was modernen Metal ausmacht.
Zu Guter Letzt bleibt noch zu erwähnen, das auch die Produktion dieser Platte vollkommen gelungen ist. Sie hat Druck, ist aber wunderschön transparent, so das man alle Facetten der Musik hören und bewundern kann, auf welche Teile auch immer man steht.

Was die Scheibe aber endgültig von der Masse abhebt ist die Tatsache, das der Gesang zum Großteil in Französisch ist. Zwar gibt es in der „internationalen, englischen“ Version auch 4 übersetzte Songs, aber wirklich gebraucht hätte man das nicht. Candice, die Sängerin, schafft es in beiden Sprachen zu überzeugen, wovon ich mich auch dank eines Musik Streaming Dienstes legal überzeugen konnte. :-)

Die einzige Frage, die sich mir bei dieser Scheibe (oder genau genommen dem Download) stellt, ist die, ob es das Madonna Cover von Music wirklich gebraucht hätte. Aber immerhin ist es gelungen, eine erkennbare aber doch eigenständige Version zu schaffen, die bestimmt auch Liebhaber finden wird.

Fazit: Ich persönlich werde mir jetzt auf jeden Fall die beiden ersten Longplayer der Marseillaisen besorgen und die hoffentlich genauso genießen wie diesen Aktuellen.

Keep Rocking! m/
GrimReaper

Band: Eths
Album: III
Bewertung: 85%
Genre: Metal/Hardcore/NuMetal
Herkunft: Frankreich
Label: Season of Mist (Soulfood)
Veröffentlichungsdatum: 6.4.2012
Homepage: http://www.eths.net
Anspieltip: Wenn man eine Song herausheben will, dann „Gravis Venter“ (4)

Tracklist, Download, English Edition
1. Voragine (English Edition)
2. Harmaguedon
3. Adonaï (English Edition)
4. Gravis Venter (English Edition)
5. Inanis Venter
6. Sidus
7. Proserpina
8. Hercolubus
9. Praedator
10. Anatemnein (English Edition)
11. Music (Download Bonus)
12. 7 (Download Bonus)
13. Cerebellum (Download Bonus)

Mittwoch, 11. April 2012

Konzert - "Flies are Spies from Hell" und "O" - 10.4.2012 - Hafen2 / Offenbach


Mein erster Besuch im Hafen2 in Offenbach als Konzertlocation sollte mich zu einem Konzert der besonderen Art führen aus mehreren Gründen. Erstens das erste mal, das ich erlebt habe, das eine Vorband länger spielt, als der Hauptact und zweitens, ebenfalls das erste mal, das ich erlebt habe, das mehr Leute auf der Bühne stehen, als im Zuschauerraum. Als dritte Neuerung konnte ich während des gesamten Konzerts der zwei Band nicht einmal einen Blick auf die Bühne werfen, der mir die Gesichter der Musiker gezeigt hätte, so schlecht war die Ausleuchtung.
Wobei ich hier direkt anmerken muss, das der Sound in der Halle, im Gegensatz zur Beleuchtung, als gut bis sehr gut zu bezeichnen ist.

Aber der Reihe nach. Der Abend beginnt mit einem freundlich servierten Kaffee im Cafe der alten Hafenanlage in Offenbach, der noch von den letzten Tönen des Soundchecks aus der Nebenhalle untermalt wird. Als ich mich schließlich in eben diese Halle begebe, bin ich positiv überrascht über die Aufteilung des kleinen Raums, aber auch über das wenige Licht.
Zwei Post-Rock Bands versprechen für diesen Abend jede Menge Überraschungen, aber von denen wird bei dem Licht nicht viel zu sehen sein.

Als dann die erste Band des Abends auf die Bühne betritt wundere ich mich erst etwas über den Beginn deren Auftritts, der erst noch wie ein letzter Soundcheck wirkt, vor allem weil keinerlei Anstalten unternommen werden, die Beleuchtung der Bühne zu verbessern. Schließlich merkt man aber doch, das das Konzert jetzt begonnen hat und die Musik macht auch sofort Spaß. Die geringe Ausleuchtung macht es etwas schwer zu erkennen, wie die Musiker der tollen Sound auf die Reihe bekommen.

Ein Schlagzeuger ist auch bei dieser Band Pflicht, genau wie ein Bassist, von dem ich nicht viel sagen kann, der hat sich fast ständig vor mir versteckt :-). Dann aber folgen die ungewöhnlichen Instrumente oder die Arten, sie zu spielen. Die Gitarristen nutzen, wie im weiteren Verlauf immer mal wieder, Violinen-bögen zum bearbeiten ihrer Saiten, was einen sehr kratzenden und interessanten Sound ergibt, der auch ideal durch die Drehleiher unterstützt wird, die als ständiger Begleiter alle Stücke unterstützt.

Dieses Instrument gibt der Musik etwas schleppendes, was die groovigen Rhythmen schön unterstützt und in den schnelleren Passagen ein wenig einbremst aber sehr schön den Charakter der Musik auf einem Level hält. Aber die drei Gitarristen beweisen dann im weiteren Verlauf des Konzerts, das sie es auch verstehen, ihre Instrumente auf konventionelle Art und Weise zu spielen. Hin und wieder beweist aber einer der Herren an den 6-Saitern, das er nicht nur dieses Instrument beherrscht, sondern auch am Xylophon eine gute Figur macht, was den entsprechenden Songs eine geisterhafte Wirkung verleiht.

Aber nicht nur das Xylophon bearbeitet der Gitarrist, das eine oder andere mal unterstützt er auch seinen Kollegen am Schlagzeug, um komplexere Muster spielen zu können. Kurz gesagt passiert auf der durchgehend unterbeleuchteten Bühne immer mal wieder etwas und auch die Musik ist sehr variabel und hochinteressant. Von langsamen, schleppenden, fast psychedelischen Klangteppichen bis hin zu schnellen, Headbangpassagen ist alles geboten und so vergehen die 50 Minuten dieses Konzertes viel zu schnell, mag einem im Nachhinein in den Sinn kommen.

Der Applaus der 6(!!!) Zuschauer fällt natürlich ein wenig leise, aber nicht weniger enthusiastisch aus, so wie es bei dieser Art der Musik eben zulässt.

Nach der folgenden Umbaupause betreten die 5 Engländer von „Flies are Spies from Hell“ die Bühne und überraschen mit ihrem Konzertbeginn jetzt niemanden mehr, der genau wie der erste im Halbdunkel auf der Bühne stattfindet. Bei der Instrumentierung gibt es hier weniger Überraschungen, denn die Flies spielen ihren variantenreichen Post-Rock mit einem Drummer, einem Bassisten, zwei Gitarren und einem Keyboarder.

Bemerkenswert, neben der präzisen und variantenreichen Spiel der Musiker ist vor allem der gnadenlose Einsatz der Gitarristen, was ihre Bewegung angeht. Die beiden geben wirklich alles, sowohl auf der Bühne, als auch davor. Und das Publikum, es sind leider immer noch nicht mehr geworden, geht auch gut mit. Aber wie üblich machen natürlich die häufigen und extremen Tempowechsel dem immer wieder ein Ende, aber man merkt, das die Engländer durchaus ein Publikum haben, das sich mit ihrer Musik auskennt und auseinandersetzt.
Einziger, allerdings recht großer,Wermutstropfen an diesem Abend ist die Tatsache, das dieser Zweite Teil des Konzerts nicht nur nicht länger ist als der erste, sondern um Gegenteil nach bereits etwas weniger als 40 Minuten beendet wird, und sich die Musiker auch nicht mehr zu einer Zugabe bewegen lassen, die von ALLEN Zuschauern gefordert wird. Schade eigentlich, aber diesem ansonsten gelungenen Abend kann das auch nur wenig anhaben und so verlassen bereits vor 23 Uhr wenige die Halle, um sich Richtung heimatliche Betten zu begeben.

Setlist „O“
1) jesus belongs to ghost
2) sea of trees
3) first monologue through streams and branches
4) riders on the storm
5) waiting for the sun

Setlist „Flies are Spies from Hell“
1) Deaf in one eye
2) Great Deadener
3) Nerves Still Beating
4) Beg For Sleep
5) Mountain Language
6) Axe to the Root

Montag, 2. April 2012

Konzert - Frank Turner - 1.4.2012 - Union Halle Frankfurt


Ich muss gestehen, das ich durch Zufall zu Frank Turner und seiner Musik gekommen bin, als ich die Chance auf zwei Gästelistenplätze bekam und diese dann auch tatsächlich nutzte.
Habe mich natürlich vorher ein bisschen eingehört, und war vor allem vom Gesang des Engländers recht überrascht, da sie für einen Singer/Songwriter doch recht rau und roh klang, was wohl seinen Punkwurzeln geschuldet ist. Die Texte waren eher wie erwartet, aber die Musik wirkte doch eher bieder, wenn auch auf eine bestimmte Art mitreißend.

Soweit zu den Eindrücken der CDs, die ich mir schnell besorgt hatte, aber wie würde das Live klingen und funktionieren? Wer würde sich im Publikum wieder finden, und wie ist die Union Halle für Konzerte geeignet?
Alles Fragen, die mir durch den Kopf schossen, als ich mich auf den Weg machte und die Location schnell und einfach fand. Sogar an die Parkplatznot der Umgebung war gedacht worden und einer der angrenzenden Parkplätze war geöffnet worden. Natürlich kostete es dort eine Gebühr, aber immerhin konnte man nah am Veranstaltungsort und sicher parken, ohne Angst haben zu müssen, sein Auto bei den örtlichen Ordnungshütern wieder abholen zu dürfen.

Die Halle füllte sich doch etwas langsamer, als gedacht, und so blieb noch Zeit, sich die Empore und die Bühne in Ruhe anzuschauen. Auch für ein kühles Getränk war noch Zeit, bevor pünktlich um 9 eine Vorband die Bühne betrat, und ein mittlerweile doch gut gefülltes Haus vorfand. „Emily Barker & The Red Clay Halo“, so der Name der 4 jungen Damen, die die Bühne forsch betreten und mit ihrem ersten Song sogar etwas wie Stimmung aufkommen lassen. Meine Hoffnung, das die Australierin Emily und ihre Mitsteiterinnen einen würdigen Auftakt in den Abend abliefern können, wird aber leider nicht erfüllt, was zwei Gründe hat.
Erstens folgen dem Opener einige, für meinen Geschmack und vor allem für das folgende Konzert, zu zarte Stücke, die dann noch, zweitens, von einer unerträglichen Geräuschkulisse an der Bar und im hinteren Bereich der Halle erdrückt werden.
Grundsätzlich kann man die Musik wohl in den Bereich des Folk und Country ansiedeln, was man an der Instrumentierung deutlich erkennen kann. Gitarre, Arkodeon, Querflöte Cello und Geige lassen dort wohl kaum Spielraum für großartige Experimente.

Ich kann leider nicht viel zu diesen Stücken sagen, weil eben, dank einer ganzen Menge von Besuchern, die ihrem Rededrang hier noch freien Lauf lassen mussten, nicht viel ankam. Ich finde so etwas Schade, denn immerhin hat man bei solchen Gelegenheiten immer wieder die Chance, neue, unbekannte Musiker kennen zu lernen, aber das setzt natürlich voraus, das man ihnen eine Chance gibt, und zuhört.
Auf jeden Fall steigt die Aufmerksamkeit und die Stimmung doch wieder deutlich, als Emily den Hauptakteur des Abends zu einem Duett auf die Bühne bringt und dann zum Abschluss auch wieder ein etwas flotteres Tempo an den Tag legt.
Alles in Allem bin ich, aus den genannten Gründen, etwas enttäuscht von der Vorband, aber immerhin verspricht es ein schneller Umbau zu werden, was sich dann aber leider doch nicht bewahrheitet.

Die Pause ist erschreckend lang, wobei dafür bis zum Ende kein Grund zu erkennen ist. Trotzdem bleibt das Publikum erstaunlich ruhig und beschäftigt sich mit sich selber. Auch jetzt gibt es noch nicht den großen Sturm in Richtung Bühne, so das selbst direkt vor der Bühne noch genug Platz ist, sich ein wenig auszuruhen für das, was kommen wird.
Als Frank und seine Band dann aber die Bühne entern, und bei denen kann man durchaus davon reden, ist sofort die ganze Halle auf den Beinen und feiert die Mannschaft auf der Bühne vom ersten Augenblick an und die geben auch von Anfang an Gas. Sowohl was die musikalische Leistung, als auch, was die Bewegung auf der Bühne angeht. Bassist und Gitarrist der „Sleeping Souls“ benehmen sich gar nicht schläfrig, und auch Drummer und Keyboarder bewegen sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr gut mit.
Das diese Bewegung im Laufe des Konzerts immer mal wieder abnimmt ist nicht verwunderlich und auch nicht tragisch, denn was nicht nachlässt ist der musikalische Druck. Ein Kracher jagt den nächsten und auch die Geschichten, die der smarte Frank immer mal wieder zum besten gibt sind lustig und wirken authentisch. Auch wenn man sich denken, kann, das der Engländer die eine oder andere Schote bestimmt schon einige mal zum besten gegeben hat, wenn man sich seine Konzertliste der letzten Jahre so anschaut.

Aber trotzdem wirkt er und auch seine Band jederzeit voll motiviert und neben den bekannten Stücken der mittlerweile 4 CDs gibt es auch zwei neue Songs, die zwar nicht ganz so enthusiastisch abgefeiert werden, immerhin kennt kaum noch einer den Text, aber sie werden doch positiv aufgenommen und mit entsprechendem Applaus quittiert. Besondere Aufmerksamkeit von meiner Seite verdienen die beiden Cover Versionen im Programm, wobei ich seine Version des NOFX Songs „Linoleum“ schon kannte, aber der Queen Klassiker „Somebody to Love“ zum Ende des regulären Sets machte noch einmal so richtig Laune und zeigte, was für Vollblutmusiker dort auf der Bühne stehen.
Den Abschluss des Konzertes bildete dann schließlich das obligatorische „Photosynthesis“, einer der besten Mitsing-Songs, die ich kenne. Und nach gut eineinhalb Stunden beschließt Frank so das Konzert und man merkt dem Publikum an, das sie zufrieden nach hause gehen.

Ich persönlich muss sagen, das ich den Abend, mit kleinen Abstrichen, als absolut gelungen bezeichnen möchte. Die Abstriche liegen leider außerhalb der Verantwortung von Veranstalter oder Musiker, denn die können natürlich niemandem verbieten, auch während des Konzerts, sich lauthals zu unterhalten, aber störend für den Genuss der Musik ist das natürlich alle mal.
Und daran kann auch der an diesem Abend einwandfreie Sound etwas ändern, der sowohl bei Vorband (soweit man das hören konnte) als auch beim Mainact hervorragend war. Druckvoll, klar, satt!
Ich bin mir übrigens sicher, das ich mit diese Band auch ein weiteres mal anhören/ansehen würde, wenn sich die Gelegenheit ergibt, aber erst recht würde es mich reizen, einmal ein Solokonzert von Frank zu erleben, was mit Sicherheit ein vollkommen anderes Erlebnis sein dürfte.

Grim Reaper

Setlist Emily Barker & The Red Clay Halo, Unionhalle, Frankfurt:
01: Blackbird
02: Ropes
03: Billowing sea
04: Pause
05: Calendar
06: Fields of June (mit Frank Turner)
07: Disappear

Setlist Frank Turner & The Sleeping Souls, Unionhalle, Frankfurt:
01: Eulogy
02: Try this at home
03: If I ever stray
04: Glory hallelujah
05: Wessex boy
06: Peggy sang the blues
07: I am disappeared
08: Love, ire & song
09: Substitute
10: The real damage
11: Linoleum (NOFX Cover)
12: Where art thou, Gene Simmons (neu)
13: Long live the queen
14: I knew Prufrock before he got famous
15: Sons of liberty
16: Four simple words (neu)
17: The road
18: I still believe
19: Somebody to love (Queen cover)

20: Sailor's boots (Zugabe)
21: The ballad of me and my friends (Zugabe)
22: Photosynthesis (Zugabe)